Freiberuflichkeit: Deine Geschäftsidee und Du

*Dieser Artikel bezieht sich zwar in erster Linie auf das Thema “Freiberuflichkeit”, doch lassen sich alle angesprochenen Aspekte auch darauf anwenden, wenn ihr euch einfach nur beruflich verändern möchtet und Anregungen braucht,in welche Richtung es gehen soll!*

 

Kreatives brainstorming

Es gibt nichts Besseres als alle Ideen erst einmal wild auf ein Papier zu schreiben. Lasst eurer Fantasie freien Lauf, egal wie unrealistisch sie klingen. Ihr habt nach dem kreativen Erguss noch genug Zeit, die kritischen und realistischen Stimmen nach Walt-Disney Methode anzuwenden.

 

Die Walt-Disney Methode

Nehmen wir an, ihr habt eine bahnbrechende Idee und wollt diese unbedingt in die Realität umsetzen. Davor ist es allerdings nötig diese Idee aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Walt Disney hat eine Kreativitätstechnik entwickelt, mit der ihr genau das macht: Ihr schlüpft nacheinander in drei verschiedene Rollen.

 

1. Der Träumer

… ist enthusiastisch, enthält sich aber eines praktischen Urteils (Quelle: Wikipedia). Es geht darum, Ziele und Visionen zu entwickeln und es darf ohne Grenzen „gesponnen“ werden, ohne Vorgaben und Einschränkungen. Jeder noch so chaotische und verrückte Ansatz ist die Chance für eine neue Idee (Quelle: Ideenfindung).

 

2. Der Realist bzw. der Macher

… nimmt einen pragmatisch-praktischen Standpunkt ein, entwickelt Aktivitätenpläne und untersucht die notwendigen Arbeitsschritte (Quelle: Wikipedia).  Ihr könnt euch an folgenden Fragen entlang hangeln: Was muss getan werden? Was wird für die Umsetzung benötigt (Material, Menschen, Wissen, Techniken)? Was fühlt man bei dieser Idee? Welche Grundlagen sind schon vorhanden? (Quelle: Ideenfindung)

Übrigens: Dieser Punkt und der Nächste, der Kritiker, wird dann eure Phase der Planung sein (dieses Thema wird im nächsten Artikel behandelt)!

 

3.Der Kritiker

… fordert heraus und prüft die Vorgaben der anderen. Ziel ist konstruktive und positive Kritik, die hilft, mögliche Fehlerquellen zu identifizieren (Quelle: Wikipedia). Heißt: Was könnte verbessert werden? Was sind die Chancen und Risiken? Was wurde übersehen? (Quelle: Ideenfindung).

 

Berufserfahrung

Welche Arbeitsstelle hat euch in eurem bisherigen Berufsleben am Meisten gefallen? Überlegt einmal, warum das so war. Waren es die Kollegen? Die Arbeitsinhalte? Oder war es eine tolle Arbeitsstelle, weil ich meine Stärken einsetzen konnte?

 

Vorlieben und Fähigkeiten

Was mag ich und was kann ich?

Um den Aufgabenbereich ein wenig einzugrenzen, könnt ihr euch gut an diesem Schema orientieren, das ich aus eins von Jay Shettys Videos habe:

 

„Quadrant of success“

Was mag ich und bin gut darin?  

Was mag ich, bin aber nicht gut darin?

 

Was mag ich nicht, bin aber gut darin? (wenn mir die Zeit und Instrumente an die Hand gegeben werden, kann ich es aber lernen) Was mag ich nicht und bin auch nicht gut darin?

 

Das Ego streicheln

Wenn wir schon bei den Fähigkeiten sind, lasst uns noch einmal zum Träumer aus der Disney-Methode werden, streichelt euer Ego und macht eine lange Liste zu euren Stärken und Ressourcen. Alles, was euch stark und toll macht 😉

 

Dazu macht eine Auflistung:

…aller Qualifikationen

…eurer gesamten Berufserfahrung (auch wenn es nur ein zweiwöchiger Ferienjob oder ein ehrenamtliches Projekt war)

…der privaten Erfolge in den letzten 5 Jahren (beispielsweise auch ein langerträumter Auslandsaufenthalt, den ihr umgesetzt habt)

…der beruflichen Erfolge in den letzten 5 Jahren

…der persönlichen Stärken und positiven Charaktereigenschaften

…der beruflichen Stärken in Zusammenhang mit Arbeitsinhalten und Rollen

 

 

SWOT Analyse

Nun wird wieder die Perspektive gewechselt und ihr bringt den Realisten ins Spiel. Dazu überprüft ihr eure Stärken, Schwächen, Möglichkeiten und Bedrohungen. Immens hilfreich ist es außerdem, Menschen aus eurem Umfeld (sprich: ehemalige Kollegen, Familie und Freunde) zu bitten, dass sie euch eine Rückmeldung zu geben. Denn nicht immer stimmen Selbsteinschätzung und Realität überein 😉

 

Macht dazu eine SWOT-Analyse:

SWOT steht für Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats.

 

Stärken (Strengths)
(Dinge, die ihr gut macht, in denen ihr aufgeht und die Deine Kollegen, Familie, Freunde wertschätzen)

 

Schwächen (Weaknesses)
(Dinge, bei denen ihr ins Schwanken kommt, mit denen ihr ringt)

 

Möglichkeiten (Opportuntities)

(Was ist einzigartig an euch? Wo sieht Dein Umfeld euch beruflich?)

 

Gefahren/Bedrohung (Threats)
(Was ist euer Schwachpunkt in euren Fähigkeiten, euren Erfahrungen oder im Umfeld?)

 

Nachdem ihr nun euch selbst reflektiert habt, richtet den Blick nach außen und fragt euch: Für wen sind meine Angebote gedacht? Wer ist meine Zielgruppe?

 

Zielgruppe

Alter, besondere Bedürfnisse, bestimmte Hintergründe, Einrichtungen, Bildungsstand…

Malt dazu doch einfach mal einen Prototyp eurer Zielgruppe:

 

Eine Kita möchte ein Waldprojekt machen und sucht eine Fortbildnerin, die das pädagogische Personal schult. Die Kita hat nur wenig Geld, weil sie in einem sozial benachteiligten Stadtgebiet liegt und die kommunalen Gelder keine großen Ausgaben zulassen. Die Fachkräfte haben aber auch eigentlich nicht so recht Lust, nehmen aber teil.

 

Oder ist es eher dieser Prototyp?

Ein technisches Großunternehmen sucht pädagogische Fachkräfte, die Mitarbeitertage zum Teambuilding durchführen. Geld spielt keine Rolle. Dies haben sich die Mitarbeiter gewünscht.

 

Oder aber:

 

Gertrud, 46 Jahre alt, Verwaltungsangestellte mit mittlerem Einkommen, hat eine Krise und weiß nicht so recht, ob sie in ihrem Job bleiben möchte. Bei der Agentur für Arbeit fühlte sie sich nicht richtig beraten. Nun sucht sie einen Job- und Lebens-Coach, der sie in ihren Wünschen unterstützt.

 

Fragt euch auch: Wie und wo finde ich meine Zielgruppe?

 

Apropos „wo?“…wo wollt ihr eure Freiberuflichkeit ausüben?

 

Location

Hier eine Auswahl von Fragen, die ihr euch stellen könnt:

In welcher Stadt?

In welchem Land?

Drinnen? Draußen?

Habe ich Kontakt zu Besitzern von Räumlichkeiten?

 

Bedarf und Bestand

Immens wichtig ist natürlich, dass ihr recherchiert, welche Angebote es bereits generell und im Speziellen an eurem Durchführungsort gibt.

 

Fragt euch dazu:

 

Besteht überhaupt eine Nachfrage, ein Bedarf an dem, was ich anbieten möchte?

Welche Anbieter und Angebote gibt es bereits in der Gegend und Branche, in der ich freiberuflich arbeiten möchte?

Wodurch unterscheide ich mich von den anderen? -> Dein Alleinstellungsmerkmal! Was macht euch einzigartig und hebt euch von den anderen ab?

 

 

Fazit

Puh, das waren eine Menge Fragen und ihr seht, sich in die Freiberuflichkeit zu begeben bedarf einer sorgfältigen Vorbereitung. Dieser Artikel und der vorangegangene (Beweggründe) haben euch hoffentlich schon ein wenig weitergebracht 😉

 

Und nun macht euch an die Arbeit, schmiedet Ideen,

reflektiert euch selbst, lasst euch reflektieren und

grenzt euren Ort der Durchführung und eure Zielgruppe ein.

 

Und beim nächsten Mal geht es an die konkrete Planung! 😉