Nachhaltig leben – Ideen und Impulse

Von Hexenhäuschen zu rundem Lehmhaus – oder doch lieber Tiny House?

 

Ich erinnere mich gerne an das Gefühl von trockenem Lehm auf meiner Haut und in meinen Haaren, Nasser Lehm und kleine Steinchen zwischen meinen Zehen. Der trockene Geschmack von Erde, der auch durch viel trinken nicht wegzukriegen war.

 

Als ich 2013 an dem Workshop „Natural Building“ auf Saltspring Island teilnahm, habe ich hautnah das erste Mal einen Einblick in alternative Lebensformen bekommen. So Vieles war fremd und eigenartig.

 

Menschen, die in selbstgebauten Lehmhäusern wohnten, in kleinen Holzhütten,

sich EINE Badewanne teilten in der Mitte des großen Grundstücks.

 

 

Menschen, die so entspannt waren, wie ich noch nie eine Gemeinschaft erlebt habe und eins waren mit der Natur um sie herum..

 

Als Kind träumte ich immer davon,

später einmal in einem kleinen Hexenhäuschen zu wohnen.

Nach dem Workshop formte sich die Idee um in ein rundes Lehmhaus,

in dem ich Workshops geben wollte.

 

Wenige Monate später verschlug es mich nach Denman Island. Das Haus aus recyceltem Holz meines Helpx Gastgebers David und das Gelände drumherum zeigten mir, wie wenig wir eigentlich aus dem Supermarkt brauchen.

 

Der Salat und das Gemüse aus dem Garten,

die Eier von den Hühnern, die frei draußen herumliefen,

die Muscheln und Austern vom Strand,

das Trinkwasser aus der Regentonne

(mit Saft gemischt konnte man über den erdigen Geschmack hinwegsehen).

 

Doch nicht nur das.

David nutzte auch die Ressourcen rund um sein Haus und auf der Insel: Gefiltertes Wasser zum Spülen und duschen kam zum Beispiel aus dem Sumpf. Kleidung gab es umsonst in einem Laden, zu dem alle Inselbewohner Sachen brachten, die sie nicht mehr benötigten.

Geben und nehmen ohne Bedingung, ohne Geld zahlen zu müssen – eine selbstverständliche Haltung im Tauschhandel auf der kleinen Insel.

 

Nachhaltigkeit im Alltag

Meine Erfahrungen im Ausland haben mich geprägt und mir gezeigt, dass es auch anders geht.

Sie haben mir einen achtsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen nähergebracht. Ich brauche nicht den Strom aus der Steckdose, sondern kann ihn vom Dach beziehen. Das Essen muss nicht aus dem Supermarkt kommen, der Schrank muss nicht gefüllt sein von zig Klamotten, die ich eh nie anziehe.

 

Seit Jahren schon sortiere ich immer wieder aus und gebe Kleidung an Second Hand Läden, kaufe wiederum meine Kleidung dort ein, gebe Bücher an Büchereien, verschenke, was ich nicht mehr brauche.

 

Möbel besitze ich keine, weil sie keinen besonderen Wert für mich haben.

 

Außerdem gibt es immer die Möglichkeit, möblierte Wohnungen/Zimmer zu mieten. Das habe ich in Neuseeland und Kanada sehr schätzen gelernt.

 

Mein Besitz hält sich in Grenzen und ich kann ihn in zwei Reisekoffer, einen großen Rucksack und drei Kisten packen. Zugegebenermaßen bin ich ein bisschen stolz darauf und ich treffe immer wieder mal auf Menschen, für die das sehr befremdlich ist.

 

Aber seien wir mal ehrlich: Wieviel brauchen wir wirklich zum Leben?

 

Vor ein paar Jahren stieß ich auf Tiny Houses und eine neue Idee war geboren: Ein kleines Haus auf Rädern zum Wohnen, ein rundes Lehmhaus zum Arbeiten!

Alles rund ums Thema Tiny Houses (und viele tolle Ideen) hat übrigens die Website www.livingbiginatinyhouse.com

Bei so wenig Platz kommt mir da meine jetzige Lebensweise wie eine Vorbereitung auf ein Leben im Tiny House vor.

 

Nachhaltige Produkte

Letzte Woche nutzte ich die Gelegenheit und besuchte die Autarkia – eine Messe, die jede Menge Informationen über Nachhaltigkeit bereithält und umweltschonende Produkte anbietet. Insbesondere wegen Letzterem hat es mich dorthin verschlagen.

 

 

Ich habe auch gleich eine Bambuszahnbürste, ein Bienenwachstuch für das Einwickeln von Lebensmitteln und teures Deo für 7,90€, aber bisher hatte ich noch nie so ein langanhaltendes gutes Deo, absolut empfehlenswert!!

 

Natürlich gibt es bestimmte Dinge, die ich bereits in meinen Alltag integriert habe.

Immer frei nach dem Motto „der gesunde Mittelweg“ sollte es sein,

denn nur dann schaffe ich es, nachhaltig zu leben.

 

Seit Neuestem benutze ich die App Replace Plastic, um Supermärkte darauf aufmerksam zu machen, dass es manchmal unnötig ist, bestimmte Lebensmittel in Plastik zu verpacken.

Ich esse kaum Fleisch, benutze beim Einkaufen immer meinen Rucksack und einen Jutebeutel, habe immer meine Nalgene Trinkflasche dabei statt Plastikflaschen oder Glasflaschen zu kaufen, trinke Wasser aus dem Hahn, fahre mit den Öffentlichen.

Jeder noch so kleine Schritt hilft.

 

Das Thema Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren verstärkt in den Blick der Öffentlichkeit geraten. Jeden Tag werden neue Hacks präsentiert: Sei es das Ersetzen von chemischen Putzmitteln oder Deo, mittlerweile kann man jedes umweltschädliche Produkt gegen ein natürliches Hausmittel eintauschen.

Auf https://www.smarticular.net/  gibt es dazu ganz tolle Ideen!

 

Doch auch viele spannende Projekte werden jeden Tag ins Leben gerufen, die zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. Hier ist eine kleine Auswahl:

 

Wurmkiste

„Ein weicher, gepolsterter Sitz und Rollen machen die Wurmkompostkiste zum fahrbaren Hocker. So kann man bequem auf der Kiste sitzen, während die Würmer in ihrem Inneren Bioabfall zu wertvollen Dünger verarbeiten.“ (Quelle: www.wurmkiste.at)

Klingt erstmal eklig, oder? Auf einer Kiste sitzen, die mit Biomüll und Würmern gefüllt ist?!?

Keine Angst, die Würmer kriechen nicht raus und wenn man die Kiste richtig bedient, stinkt es auch nicht.

Das Sitzkissen ist bequem und passen in jede Küche! Unbedingt mal anschauen!

Mehr Infos gibt es hier: http://wurmkiste.at/

 

Foodsharing und Fair-Teiler

Durch Zufall kam ich an einem Fair-Teiler in meinem Stadtteil vorbei und war hin und weg von der Idee. Ein kleines Häuschen, in das jeder, der Lebensmittel zuviel hat, seine Lebensmittel hinbringen kann. Andersherum darf man sich auch gerne Essen von dort nehmen, denn oberstes Ziel ist: Weniger Lebensmittel wegwerfen!

 

Mehr Infos rund ums Thema Foodsharing und ob und wo es auch in eurer Stadt Fair-Teiler gibt, seht ihr hier: https://wiki.foodsharing.de/Fair-Teiler_und_Abgabestellen

Ihr könnt übrigens auch noch aktiver werden und Lebensmittel bei Supermärkten abholen. Dazu könnt ihr euch hier anmelden: https://foodsharing.de/faq

 

Raupe Immersatt

Ein einzigartiges Konzept hat das Team der Raupe Immersatt: Sie wollen ein nachhaltiges Café mit geretteten Lebensmitteln anbieten. Allerdings suchen sie bereits seit zwei Jahren nach Räumlichkeiten!

Mehr Infos gibt es hier:

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.preisgekroente-initiative-aus-stuttgart-lebensmittelretter-suchen-obdach.723044ba-368f-4748-bcb3-858bcb67122d.html

 

Repair Café

Und noch ein Café der etwas anderen Art: Das Repair Café in Stuttgart kümmert sich um eure kaputten Geräte, denn nicht immer muss man gleich alles wegwerfen!

Mehr Infos gibt es hier: http://repaircafe-stuttgart.de/was-ist-ein-repair-cafe/

 

Welche nachhaltigen Projekte gibt es in eurer Stadt?

Was macht ihr im Alltag, um mehr auf die Umwelt zu achten?