Waldtage #3: Bauen und schnitzen

 

Bauen

Wald bietet vielfältiges Material und Fläche, die sich wunderbar nutzen lassen, um etwas zu bauen. Kindern sind hier keine Grenzen gesetzt und können ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

 

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Unterschlupf?

 

Oder wie wäre es mit einem Barfußpfad? Ob Stöckchen, Moss, Steinchen, Gras, Nüsse, Tannenzapfen…der Wald ist voll von taktilem Material, das nur darauf wartet, müden Füßen eine erfrischende Massage zu bescheren 😉

 

 

 

 

 

 

Wenn ihr das Glück habt, an kleinen Rinnsalen oder Bächen vorbei zu kommen oder tiefe Furchen

passiert, baut Brücken! 🙂

 

Dies sind nur ein paar Beispiele, eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

 

 

!!Wichtig!!

Wichtig ist, dass ihr am Ende eurer Zeit im Wald eure Spuren verwischt und alles dorthin zurück bringt, wo ihr es her habt. Im Klassenraum oder im Kindergarten macht ihr das mit euren Materialien doch auch so, oder? 😉

 

Und wenn ihr schon dabei seid, etwas zu bauen, habt ihr sicherlich auch Schnitzmesser dabei, oder? Dann lassen sich Stöcke, die ihr in den Boden stecken wollt, vorher noch schön anspitzen. Oder aber ihr wollt die Spitze eures Stockes in die Öse eurer Plane stecken, damit der Unterschlupf stabiler ist?

Dann bietet sich doch gleich eine Runde schnitzen an!

 

Schnitzen

 

Vorarbeit

Lasst eure Kinder im Alltag ruhig mit scharfen Küchenmessern Obst und Gemüse schneiden. Ja, sogar auch die Dreijährigen 😉 Lasst sie Möhren schälen, dann bekommen sie schon einmal ein Gefühl dafür, wie man damit umgeht und wie man sie hält.

 

Anzahl der Kinder

Das liegt ehrlich gesagt an euch und eurer Gruppe. Mehr als acht Kinder auf einmal wird allerdings schwierig. Vor allem, wenn sie jünger sind und noch Unterstützung benötigen.

 

Regeln

Immer (!) zuerst die Regeln besprechen. Kinder sind hoch motiviert und wollen sofort anfangen und vergessen manchmal, dass sie noch nie geschnitzt haben.

 

  1. Ich halte eine Armlänge Abstand.
  2. Mein Schnitzmesser muss scharf sein
  3. Ich fuchtle nie mit dem Schnitzmesser herum
  4. Wenn ich fertig bin, klappe ich mein Schnitzmesser zusammen
  5. Ich laufe nicht mit offener Klinge herum
  6. Ich schnitze nicht auf meinem Bein

 

Für die umstehenden, nicht-schnitzenden Kinder gilt: Abstand halten! Mindestens einen Meter. Die Schnitz-Zone ist außerdem rennfreie und tobefreie Zone!

 

Jeder handhabt es unterschiedlich mit der Aufsicht. Ich gehöre zu denen, die immer ein Auge auf die schnitzenden Kinder haben wollen. Das ist definitiv auch eine Alterssache. Je jünger, desto weniger sollten die Augen des Betreuers woanders sein.

Doch auch vierzehnjährige, erfahrene Schnitzer können plötzlich den Drang verspüren, doch ein wenig herum zu spielen und schon steckt das Messer im Bein des Nebenmanns.

 

Erste Hilfe Set

Für solche Fälle habe ich dann immer ein Erste Hilfe Set griffbereit. Verletzungen passieren. Das gehört einfach dazu. Egal wie gut und aufmerksam man schnitzt, es kann immer mal passieren, dass man abrutscht. Wichtig ist dann: Nerven behalten 😉

Wenn ihr kein Blut sehen könnt, bittet einen Kollegen/eine Kollegin euch zu helfen.

 

Schnitzmesser

Ich gebe es offen zu: Ich bin Opinel-Fan. Die Messer liegen gut in der Hand, haben eine Sicherung und eignen sich für alle Schnitzarbeiten. Aber natürlich ist es euch überlassen, von welcher Firma ihr euch eins besorgt. Wichtig ist nur, dass es eine feststehende Klinge hat oder festgestellt werden kann. Und die Klinge sollte unbedingt scharf sein! Die meisten Verletzungen passieren bei stumpfen Schnitzmessern.

 

 

Bei einem Workshop von Astrid Schulte habe ich übrigens den Croix de Berger Schleifer als Alternative zum Schleifstein kennen und lieben gelernt. Einfach großartig!

 

Aprópós Astrid Schulte: Sollte sie einen Schnitz-Workshop in eurer Nähe veranstalten, dann kann ich euch nur wärmstens empfehlen, hinzugehen. Einfach klasse!

 

Ran an die Arbeit

Nachdem die Vorarbeit geleistet ist, was soll denn nun geschnitzt werden?

Doch zunächst einmal: Welches Holz habt ihr zur Verfügung?

 

-> Hasel, Weide, Birke, Ahorn und Esche sind als Grünholz am Geeignetsten

-> Pappel und Erle eignen sich auch in trockenem Zustand

-> Am Einfachsten ist gerades Holz mit wenig bis keinen Ästen

-> Vorsicht bei giftigen Bäumen wie der Eibe oder Kirschlorbeer!

 

 

Und jetzt kommt es auf eure Schnitzer an. Haben sie Erfahrung? Was können sie schon? Brauchen sie noch einen Schnitzhandschuh? (ich verwende keine…)

Ihr könntet zum Beispiel mit Besteck anfangen…

 

 

 

 

(von links nach rechts: Gurkenmesser, Olivenlöffel, Messer-Gabel-in-einem)

 

Zwerge und Mäuse bieten sich wundervoll für eine kleine Waldlandschaft an, die ihr in einem Karton gestalten und mit weiteren Materialien wie Moos und Stöckchen anreichern könnt.

 

 

 

 

 

Mikadostäbe haben den Vorteil, dass ihr danach noch eine Runde Mikado spielen könnt!

Meinen Mikadostab nutze ich mittlerweile auch als Redestab für Redekreise 😉

 

Ganz wichtig ist auch, dass keine lebenden Bäume angeritzt und/oder Namen in den Stämmen verewigt werden!

Bäume sind auch Lebewesen!

 

 

Als Anregungspäckchen kann ich euch von Barbara Wernsing und Lucie Göpfert „50 Schnitz-Projekte“ empfehlen (Nature zoom). 50 Karten für jeden Schwierigkeitsgrad in einer praktischen Metallbox!

Oder auch Astrid Schultes „Meine Schnitzwerkstatt (mit Opinel Kindermesser)“!

 

Übrigens: Wenn Kinder schnitzen wollen, dann sollen DIE KINDER auch schnitzen.

„Ich kann das nicht!“

„Mach du das!“

Es passiert nur allzu schnell, dass die Schnitzer um Hilfe bitten und Erwachsene am Ende das gute Holzstück fertigstellen. Das ist nicht Sinn der Sache 😉

Und nun ran an die Arbeit und habt viel Spaß 🙂