5 Dinge, die ich während der Freiwilligenarbeit und meiner Reise in Europa gelernt habe

Lasst mich erst eins vorweg nehmen: Wenn ihr Leuten erzählt, ihr nehmt euch eine Auszeit, reist durch Europa, sucht nach einem neuen Lebensort und macht währenddessen Freiwilligenarbeit, dann hören die meisten von ihnen nur “reisen”. Und ich habe in einigen Nachrichten „noch einen schönen Urlaub“ gewünscht bekommen…wegen der „Urlaubsfotos“, die ich geposted habe.

 

Was ich in den letzten Monaten EIGENTLICH gemacht habe? Das hier:

3-6 Stunden am Tag Freiwilligenarbeit (Streichen, Babysitten, kochen, backen, spülen, putzen, aufräumen, eine alte Scheune ausräumen, Gartenarbeit, Gäste einchecken, Haushalt, administrative Aufgaben – im Austausch gegen Unterkunft und Verpflegung),

1 – 2 Stunden am Tag schreiben

und ein paar Stunden pro Woche die Gegend erkunden (= Recherche für mein aktuelles Buchprojekt).

 

  1. Anpassen und Flexibilität

 

Obwohl ich ganz gut mit Veränderung und neuen Situationen umgehen kann, war das letzte Jahr doch recht herausfordernd für mich, weil ich all das ohne Zigaretten durchstehen musste.

Also musste ich, wieder, lernen flexibel zu sein, wenn meine durchkreuzt wurden (Zugverbindung verpasst etc.) und ich cool bleiben und eine Lösung für mein Problem finden musste. Sich an eine neue Umgebung anzupassen gehört ebenfalls dazu. Während das kein großes Problem für mich ist, war meine größte Lernerfahrung in den letzten Monaten, wann ich mich NICHT ANPASSEN UND INTEGRIEREN MUSSTE in eine neue Umgebung.

Beispiel? Portugiesen (und gleiches gilt für Spanier und Südfranzosen) essen sehr spät zu Abend. 20:30/21:00 Uhr war einfach zu spät für mich.

 

  1. Sprachen

 

Durch Europa zu reisen kann wegen der vielen unterschiedlichen Sprachen recht herausfordernd sein. Ich muss zugeben, dass ich mich nicht einmal bemüht habe viel mehr als „Hi“, „danke“ und „tschüss“ zu lernen.

 

Aber lasst mich euch eine tolle Sache über Skandinavier und die Niederländer sagen: Ihre Englischsprachkenntnisse sind einfach großartig! So ziemlich alle, sogar ältere Menschen auf dem Land, sind in der Lage englisch zu sprechen.

Das macht die Kommunikation sehr einfach 😉

 

Ich hatte dennoch Glück und verstand hier und da ein wenig dänisch und norwegisch, weil manche Wörter im Deutschen genau gleich sind. Ich verstand sogar meinen belgischen Gastgeber, als er mit seiner Tochter flämisch sprach.

 

Nach einiger Zeit entwickelst du einen Sinn dafür, worüber die Leute um dich herum reden (natürlich nicht die Körpersprache vergessen!)

 

Portugiesisch war, natürlich, eine ganz andere Geschichte. Da halfen nicht einmal meine schwachen Französischkenntnisse.

Eine weitere Sprache, die sehr anders ist als die bereits erwähnten: Finnisch! Meine Gastgeberin in Portugal kam aus Finnland und ich lernte ihr typisches Wort „Noni“ kennen :))

Was das bedeutet? Schaut hier

 

  1. Impressionen von anderen Ländern

 

In Schweden hatte ich den Eindruck, dass die Menschen dort

…recht Flüchtlingsfreundlich sind

…liberal sind

…entspannt sind

Fun fact: Der schwedische Name von “Michel von Lönneberga” (German) ist eigentlich “Emil”

 

Norweger scheinen

…sehr hilfsbereit

…hart arbeitend

…Draußenmenschen

zu sein

Fun fact: Wenn sie “ja” sagen, dann atmen sie lautstark dabei ein, hört sich recht lustig an

 

Ich habe nicht viele Eindrücke von den typischen Niederlanden sammeln können, da

…ich Zeit mit einer Amerikanerin und einem Belgier verbrachte

…meine Gastgeberin war nicht viel da (weder körperlich und wenn sie körperlich anwesend war, war sie, sagen wir, abgelenkt und mit ihren Gedanken woanders)

 

Portugal

…kann ziemlich hart sein wegen der niedrigen Löhne und hohen Mieten (besonders in und um Lissabon)

…ist günstig, wenn man dort Urlaub macht

…ist immer sonnig

 

Die Schweiz erscheint mir

…sehr gut organisiert (fast schon kontrollierend, sogar das Bürgeramt nennt sich “Einwohnerkontrolle”)

…noch strukturierter und hält sich noch mehr an Regeln als die Deutschen (ich wusste nicht, dass das möglich ist)

…ein tolles Land für Outdoor-Aktivitäten

 

In Dänemark habe ich festgestellt, dass  

…viele Väter einen Kinderwagen vor sich her schieben

…es viel Windkraft gibt

…der Wind verdammt kalt ist

 

  1. Perfekte Kombination von Freiwilligenarbeit und Arbeiten an eigenen Projekten

 

Du brauchst eine Auszeit?

Du brauchst einen ohne Ablenkungen?

Du brauchst geistigen Input durch das Andere?

Du brauchst noch etwas als einfach nur an deinen Projekten zu arbeiten?

Du hast kein Budget, um zu reisen?

 

Dann ist Freiwilligenarbeit im Ausland genau das Richtige, was du machen kannst!

Wenn du 3-6 Stunden am Tag pro Woche aushilfst,

dann hast du immer noch genug Zeit für dich selbst.

 

Für mich war es das Beste, was ich machen konnte. Während ich leichte Arbeiten verrichtete, hatte ich genug Zeit, um über meine Schreibprojekte nachzudenken. Und später am Tag habe ich geschrieben und geschrieben, habe die Gegend erkundet und dann wieder geschrieben. Ich habe es sogar geschafft, fast 200 Seiten für mein aktuelles Buchprojekt auf’s Papier zu bringen!

 

Freiwilligenarbeit in verschiedenen Ländern zu machen, bedeutet langsam zu reisen. Aber es ist es wert, weil man so viel mehr über ein Land lernt!

Man taucht in andere Kulturen und Traditionen ein, lernt verschiedene Sprachen und Gerichte kennen und man trifft tolle Menschen auf dem Weg. Man teilt mit ihnen Wissen und Erfahrungen, lacht zusammen, isst zusammen und hilft sich gegenseitig aus.

Du solltest Freiwilligenarbeit mal ausprobieren, wenn du es noch nie gemacht hast, es ist toll! 😉

 

  1. Essen

 

Während der letzten Monate dachte ich, es wäre toll typische Rezepte von jedem Land zu sammeln. Die Ergebnisse?

In Dänemark bekam ich ein Rezept für persisches Lamm von meiner iranischen Gastgeberin in Kopenhagen und ein indisches Gericht für Spinat-Auberginen-Kichererbsenmehl-Bratlinge  von meiner neuseeländischen Gastgeberin in der Nähe von Aarhus.

 

In Schweden erhielt ich von der Tochter meiner norwegischen Gastgeberin ein großartiges lateinamerikanisches Rezept für Guacamole, Ceviche and Salsa.

 

Ich weiß jetzt auch, wie man typische norwegische Waffeln macht, schweizerische Älplermagrone und ein portugiesisches Gericht, dass aus Schweinefilet in Rotweinsoße und salzigem, öligen Reis mit Kidneybohnen besteht.

Auch wenn ich nicht überall „typische“ Gerichte bekommen habe, es hat mir gezeigt, wie international jedes Land ist. Wir essen nicht mehr nur „unser eigenes Essen“. Wir mögen die Abwechslung, mögen es ausländische Küche in unser Leben zu integrieren und einzubinden – und das ist einfach toll!

 

Also los, probiert neues Essen und vor allem neue Gewürze aus!

 

Apropos Gewürze…ich habe auch gelernt, dass es wichtig ist, immer Knoblauch, Kurkuma- und Ingwerwurzeln dabei zu haben. Damit kann man nicht nur toll kochen, sondern man kann sie auch als Medizin nutzen, um das Immunsystem in den kalten Ländern zu stärken 😉

 

 

2 Gedanken zu „5 Dinge, die ich während der Freiwilligenarbeit und meiner Reise in Europa gelernt habe

  1. Mit solch tollen Beiträgen wird für die Freiwilligenarbeit motiviert. Danke.
    Ich lade dich herzlich ein, mittels Gratis-Profil auf der neuen Sozialen Plattform der Freiwilligenarbeit mehr über deine Erfahrungen zu berichten und deine Aktivitäten vorzustellen.
    Freundschaftliche Grüsse
    Gregor Speck, Initator von http://www.qudos.club

Kommentare sind geschlossen.