5 Gründe, die meinen Job unerträglich machten (Teil 1)

Vielleicht kennt ihr das: Der ausgeschriebene Job klingt vielversprechend, doch bereits nach ein paar Wochen merkt ihr, dass etwas an der Stelle nicht stimmt. Die Tätigkeiten unterscheiden sich von der Stellenausschreibung, das Betriebsklima ist seltsam und das Verhältnis zu den Vorgesetzten gestaltet sich äußerst schwierig. Was nun? Direkt wieder kündigen? Es weiterhin versuchen?

 

5 Gründe, die meinen Job unerträglich machten:

 

Grund # 1: Negatives Arbeitsklima

Mehrfach hat mich der Umgangston im Unternehmen geschockt. Am Anfang entschuldigte ich das noch damit, dass ich drei Jahre in Kanada gelebt hatte und dort gewisse Aussagen undenkbar gewesen wären. Doch nach und nach wurde mir klar (auch nachdem ich in meinem Umfeld um Rat fragte), dass hier ein Ton herrschte, der diskriminierend, unverschämt und voll von Vorannahmen ist.

 

Jugendliche, die „liebevoll“ kleine Scheißerchen und Mistmaden genannt werden; denen immer wieder gesagt wird, dass sie ihr Ziel eh nicht erreichen werden („Du schaffst das eh nicht“); und über die mal schnell die Aussage getroffen wird „der hat die Stelle nicht gekriegt. Der ist halt ein Ali“.

Mit Sicherheit gibt es Unternehmen in Deutschland, die Menschen mit Migrationshintergrund bewusst nicht einstellen. Politisch korrekt wäre gewesen „wahrscheinlich haben sie ihn nicht eingestellt aufgrund seines Migrationshintergrundes“.

 

In Teamsitzungen wurden Augen gerollt; abfällige Kommentare („der alte Sack“) und Ratschläge wie „denk dir einfach was’n Arschloch“ waren an der Tagesordnung.

 

Meine Einarbeitung bestand in den ersten Wochen darin, dass mir tagtäglich gesagt wurde, wie „frustrierend und schwierig“  die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern sei. Ich wollte mir ein eigenes Bild machen und stellte fest: Die Zusammenarbeit war weder schwierig, noch frustrierend.

Im Gegenteil, ich empfand sie als positiv.

 

Was ich aber als schwierig und frustrierend empfand, war der negative Einfluss, den meine Vorgesetzte auf mich auszuüben versuchte. Ich hatte das Gefühl, dass ich kontinuierlich dagegen ankämpfen musste und es kostete mich unglaublich viel Geduld und Kraft, mich immer wieder abzugrenzen und nicht mit einem negativen Gefühl in Gespräche mit Kooperationspartnern zu gehen.

 

Ich erinnere mich insbesondere an einen Tag, an dem ich einen Termin mit einem Kooperationspartner hatte. Ich hatte alle Informationen zusammengetragen und war überhaupt nicht nervös…bis zu dem Zeitpunkt, an dem meine Vorgesetzte mir Glück wünschte, da der Kooperationspartner „so schwierig sei“. Später schrieb sie mir eine Nachricht, „war es sehr schlimm?“

Meine Antwort: „Ich weiß gar nicht, was du hast, es war ein super Gespräch!“ Und das war es in der Tat und ich ärgerte mich, dass ich mich hatte verunsichern lassen.

 

Immer wieder fragte ich mich, was mit mir falsch sei, dass ich ihre Kritik an den Kooperationspartnern nicht verstand. Bis in einem Gespräch herauskam, dass es vor über einem Jahr (!) Probleme in der anfänglichen Zusammenarbeit gegeben hatte. Sie wollte nichts davon hören, dass die Zusammenarbeit zum jetzigen Zeitpunkt aber sehr gut laufe.

 

Man könnte mir nachsagen, ich sei sensibel,

aber ich möchte nicht in einem Arbeitsumfeld arbeiten,

in dem nicht wertschätzend über und mit den Mitarbeitern,

Kooperationspartnern oder Klienten/Kunden gesprochen wird.

 

Grund # 2: Arbeitsinhalte

Hätte mir jemand im Vorstellungsgespräch gesagt „du wirst zwar als pädagogische Mitarbeiterin eingestellt, aber eigentlich beträgt der pädagogische Anteil Deiner Arbeit nur ca. 25%. Der Rest ist Verwaltungsarbeit und Dokumentation. Außerdem wirst Du keinen Gestaltungsfreiraum haben, pädagogische Ideen einzubringen und umzusetzen“…dann hätte ich mich höflich bedankt und wäre wieder gegangen.

 

Stattdessen wurde mir die Stelle als „pädagogische Arbeit mit einem hohen Dokumentationsaufwand“ verkauft. Ich habe kein Problem mit dokumentieren. Im Gegenteil, meine kanadischen Kolleginnen haben mich immer überrascht angeschaut, wieviel ich dokumentierte.

 

Was wurde also unter „hohem Dokumentationsaufwand“ verstanden?

Das Gespräch mit einem Jugendlichen muss in die folgenden Kompetenzbereiche des Dokumentationssystems eingegeben werden: Wurde etwas zu schulischen Basiskompetenzen besprochen? Zu personalen Kompetenzen? Zu sozialen Kompetenzen? Zu methodischen Kompetenzen? Wurde etwas zur Berufsorientierung gesagt? Zum Praktikum? Zur Ausbildung? Und alles, was in eine dieser Kategorien nicht rein passte, wurde ins Teilnehmerprotokoll geschrieben. Auch wird jeglicher Kontakt zu wem auch immer (Unternehmen, Lehrer, Betreuer etc.) in die Dokumaske eingegeben. Bei 20 Gesprächen pro Woche kommt eine Menge zusammen.

Meines Erachtens hätte die korrekte Stellenausschreibung lauten müssen „Verwaltungsfachangestellte mit pädagogischem Geschick gesucht“

 

Grund # 3: Gehalt in Relation zum Arbeitsaufwand

Meine Berufserfahrung wurde bei meiner Einstellung nicht anerkannt. Allerdings wurde mir in Aussicht gestellt, dass ich nach Ablauf meiner Probezeit mein Gehalt neu verhandeln könnte. Das Probezeitgespräch verlief gut, die Rückmeldungen zu meiner Arbeit waren sehr gut. Die Frage nach einer Gehaltserhöhung wurde jedoch mit einem einfachen „nein“ beantwortet, gefolgt von einer Auflistung von Stellen, die besser bezahlt sind.

 

Ganz zu Beginn, im Vorstellungsgespräch, wurde außerdem das Thema „Zusatzaufgaben“ sowie ein „phasenweise erhöhter Arbeitsaufwand“ angesprochen. In meinen bisherigen Jobs hat es immer Überstunden oder stressige Phasen gegeben, das war ich also gewohnt. Allerdings war es diesmal so, dass in einem Zeitraum von fast zwei Monaten wöchentlich 9,5 Stunden dazu kamen plus das Schreiben von Berichten (ca. 2-4 Stunden pro Woche).

 

Der Arbeitsaufwand erreichte ein Level, das das niedrige Gehalt noch weniger rechtfertigte. Und ich fragte mich immer wieder „warum mache ich das eigentlich mit?“

 

Lest in Teil 2 Grund #3 und #4 sowie die Konsequenzen, die ich daraus zog!