5 Gründe, die meinen Job unerträglich machten (Teil 2)

Grund # 4: Schwierige Vorgesetzte

Wie ich bereits erwähnte, wurde das Arbeitsklima von einem negativ besetzten Umgangston beherrscht. Ich bin ein positiver Mensch, der auch noch in einer Katastrophe den einen winzigen, guten Aspekt sieht und auch den Menschen eine Chance gibt, die scheinbar im Schulsystem zu scheitern drohen.

Ich gehöre zu den ‘naiven‘ Menschen, die glauben, dass man durch Motivation und Unterstützung jedem Menschen dabei helfen kann, sein Ziel zu erreichen. Oder aber im Laufe des Weges ein realistisches Ziel entwickelt, das immer noch den eigenen Interessen entspricht.

 

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die Jugendlichen sagen „bei deinen Leistungen solltest du besser mal darüber nachdenken, Fachlagerist zu werden“, um ihnen den Traum zu rauben, Computer zu reparieren und zu verkaufen.

 

Tja, doch es gab da meine Vorgesetzte, die so ziemlich eine gegensätzliche Meinung hatte. Es kam wie es kommen musste: Wir gerieten aneinander. Das war bereits nach knapp zwei Monaten und nachdem ich mir anhören musste „Dann musst du dich halt davon (ihre negative Denkweise) abgrenzen. Du solltest dir mal überlegen, ob das hier das richtige für dich ist. Wenn das mit uns nicht funktioniert, dann müssen wir uns was anderes überlegen“, habe ich angefangen, ab und an nach anderen Stellen zu schauen.

 

Nicht nur unterschiedliche Meinungen, sondern auch die Informationsweitergabe war Teil des Problems: Ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft Informationen nicht weitergegeben wurden oder als „ich dachte, es wär nicht wichtig für dich“ eingestuft wurden. Solche Informationen betrafen bspw. einen Jugendlichen, den ich betreute und der etwas Wichtiges mit mir besprechen wollte…meine Vorgesetzte hielt es aber nicht für notwendig, mich darüber zu informieren. Davon habe ich erst Tage später erfahren.

 

Ihre eigene Zerstreutheit und  Planlosigkeit versuchte sie damit zu kaschieren, indem sie mir vorwarf, ich „müsse mich besser organisieren“, wenn ich der Meinung sei, es stehen gerade viele Termine an. Ihr Lösungsvorschlag: Weniger Zeit für die Jugendlichen, die ich regulär betreute, um die Zusatzaufgaben erledigen zu können.

Meine ‚regulären’ Jugendlichen hatten in diesem Zeitrahmen allerdings einen erhöhten Betreuungsaufwand. In meinem Perfektionismus (und weil eine meiner Stärken Organisation und Planung ist) habe ich es geschafft, alles unter einen Hut zu kriegen. Was ich dann nicht mehr geschafft habe: Ihre Termine mit zu übernehmen, die sie mir einen Tag vorher übertragen wollte, weil sie fehlgeplant hatte.

 

Es kam wie es kommen musste: Einige Wochen nach der ersten Meinungsverschiedenheit kam die zweite, diesmal noch heftigere Auseinandersetzung. Ausschlaggebend war die Unterstellung, ich habe ihre Email nicht richtig gelesen, die sie zwei Wochen zuvor geschrieben hatte. Dies wiederholte sie mehrfach…vor vier anderen Kollegen, die mit im Büro saßen. Später stellte sich heraus, dass sie die Änderungen im Ablaufplan erst am Tag vorher vorgenommen und meine Kollegin und mich noch nicht darüber informiert hatte.

Eine Entschuldigung gab es nicht.

 

Stattdessen aber gab es ständiges Augenverdrehen und einmal kam es sogar vor, dass sie langsam zu einer anderen Vorgesetzten schaute und die Augen verdrehte als ich sie im Vorbeigehen grüßte.

 

Grund # 5: Auswirkungen auf die Gesundheit

Frust, Wut und Unzufriedenheit machten sich im Alltag breit. Wie bereits erwähnt, kostete es unglaublich viel Kraft, sich von den negativen Einflüssen abzugrenzen. Weder beruflich noch persönlich konnte ich mich weiter entwickeln. Doch schon nach kurzer Zeit zu kündigen, kam für mich (noch) nicht in Frage.

 

Mein Verantwortungsgefühl gegenüber den Jugendlichen wurde größer, die Beziehungsebene enger und meine Schuldgefühle stiegen an. Ich wollte ihnen nicht schon wieder einen Personalwechsel zumuten (ja, es gab bereits ein paar) und schon gar nicht wollte ich ihnen das Gefühl geben, dass ich wegen ihnen kündige.

 

Das schwierige Verhältnis zu meiner Vorgesetzten und mein Dilemma (kündigen oder nicht kündigen) wirkten sich letztendlich auch auf meinen Körper aus:

Ich hatte Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen, mir war morgens vor der Arbeit schlecht (vor allem wenn ich wusste, dass ein Tag mit meiner Vorgesetzten im Büro anstand), mein Tinnitus wurde immer lauter und am Wochenende war ich mehr damit beschäftigt nach Stellenangeboten zu suchen als soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Lustlosigkeit, Lethargie und null Motivation waren meine ständigen Begleiter.

 

So konnte es nicht weitergehen!

 

Lösungsmöglichkeiten

 

Klärendes Gespräch

In einem klärenden Gespräch, zu dem weitere Personen des Unternehmens (neutrale Person und andere Vorgesetzte) hinzugezogen wurden, sollten Lösungen für das schwierige Arbeitsverhältnis zwischen meiner Vorgesetzten und mir gesucht werden. Nicht viel kam dabei heraus.

 

Wie sinnlos das Gespräch war, zeigte sich erneut einige Wochen später. Die Vorgesetzte, die auch am Gespräch teilgenommen hatte, machte sich auf einer Firmenfeier vor versammelter Mannschaft darüber lustig (ohne Namen zu nennen!), dass man bei Problemen ja auch ein klärendes Gespräch führen könne, zu dem man neutrale Personen aus dem Unternehmen hinzuziehen könne…

 

Stunden reduzieren oder kündigen?

Bereits nach zwei Monaten gab es, wie oben erwähnt, die erste Auseinandersetzung mit meiner Vorgesetzten. Schon da hatte ich überlegt zu kündigen und mich ab und an nach anderen Stellenangeboten umgeschaut. Aber ich wollte nicht einfach so aufgeben!

Also dachte ich darüber nach, Stunden zu reduzieren und wieder mehr freiberuflich zu arbeiten. Doch schon bald merkte ich, dass das auch keine Lösung war. 

 

Letztendlich kündigte ich und fühlte mich unglaublich erleichtert!

 

Jetzt arbeite ich wieder in einer Kita. Nein, nicht als Leitung. Kaum einer konnte glauben, dass ich mit einem Uni-Abschluss im Gruppenrahmen und nicht als Leitung arbeiten möchte. Aber jetzt habe ich kreative Gestaltungsmöglichkeiten, arbeite pädagogisch und werde mit einem neuen Konzept herausgefordert, in dem ich mich weiter entwickeln kann…und:

Ich verdiene mehr!

 

Bisher habe ich meine Entscheidung noch keinen Tag bereut und dennoch frage ich mich immer wieder:

Welche Lektion sollte ich in dem schlimmsten Job, den ich je hatte, eigentlich lernen?

 

Ward ihr schon einmal in einer schwierigen Arbeitssituation, die euch belastet hat?

Wie habt ihr das Problem gelöst?

Ich bin gespannt über eure Antworten 🙂