Antonia: “Hilfe zur Selbsthilfe”

Ein Interview mit Antonia von www.endometrioseblog.com über ihr Leben mit Endometriose

Wie hast Du gemerkt, dass etwas nicht stimmt?

Alles fing mit Einnahme der Pille an -Ich hatte mit 16 über mehrere Wochen hinweg immer wieder vermehrte Schmerzen und Übelkeit. Nachdem alles Organische von den Ärzten ausgeschlossen worden ist, dachte ich schon selbst manchmal mit mir stimmt etwas nicht.

 

Ein erneuter Termin bei einem anderen Gynäkologen und eine OP mit 17 brachte dann die Bestätigung, dass ich Endometriose habe.

 

Endometriose ist nämlich nicht nur der Schmerz an den ersten zwei Zyklustagen, sondern kann auch schon zu Problemen vor und nach der Regel sorgen, ein schmerzhafter Eisprung sein – sowie sich durch viele weitere Nebensymptome bemerkbar machen.

 

Hier kann ich nur immer wieder betonen, dass man sich nicht scheuen sollte Zweit- oder Dritt-Meinungen einzuholen, wenn man denkt man könnte betroffen sein.

 

Wie ging es Dir als Du erfahren hast, dass Du Endometriose hast?

Ich war noch sehr jung als ich es erfahren habe und dachte mit der OP hat es sich getan. Ein Schock war es für mich erst als ich noch einmal operiert werden musste. Das ich mein Leben lang damit zu tun haben werde, habe ich dann erst letztendlich auf der Anschluss -Rehabilitation begriffen.

 

Denn dort war ich die Jüngste und lernte ich viele Frauen kennen, die schon viel länger mit der Krankheit zu kämpfen hatten.

 

Wie bist Du damit umgegangen?

Meine Energie ging damals ganz klar Richtung Zukunft, ich wollte etwas tun, um anderen Betroffenen zu helfen.

Denn leider wird man öfters mit blöden Sprüchen abgespeist und man muss sich oft noch rechtfertigen.

Genau das wollte ich Anderen ersparen, indem ich mich beruflich in die medizinische Richtung orientiert habe. 

 

Hier möchte ich auch noch ein Dankeschön an meine Familie aussprechen, die immer Verständnis für mich und meinen Krankheit gezeigt haben – wenn man weiß, dass man nicht alleine ist, fällt Einem der Umgang leichter. 

 

Was hat sich in Deinem Leben verändert?

Leider hat es sich sehr zum Negativen verändert. Seit der letzten Endometriose-Operation leide ich zudem noch unter einer Operationsfolge, durch die ich vor Schmerzen nicht mehr richtig laufen kann. Und leider bin ich da kein Einzelfall… Auch das ist ein Teil der Endometriose, viele Operationen bedeuten eben auch immer wieder, viele Risiken in Kauf zu nehmen.

 

Wie geht es Dir heute mit Endometriose?

Ich habe wirklich alle Hormontherapien (Pillen, Spiralen etc.) ausprobiert und musste letztendlich feststellen, dass ich es einfach nicht vertrage – seitdem ich ohne Hormone lebe, geht es mir besser. Dennoch habe ich wöchentlich einen “Therapieplan“.

 

Es ist viel Ausdauer und Selbstdisziplin gefragt, physisch als auch psychisch.

Ich verlasse mich auf die Traditionell Chinesische Medizin, Physiotherapie und Osteopathie, Sport und verschiedene Anwendungen wie z.B. Kinesiologisches Taping.

Ohne Schmerztabletten geht es leider nicht.

 

Gibt es manchmal noch Tage/Situationen, in denen es schwer für Dich ist?

Zurzeit ist mein Leben durch die doppelte Schmerzsymptomatik jeden Tag ein Kampf. Besonders schwer ist es für mich immer wieder festzustellen wie stark man für sein Recht eintreten muss – anstatt Unterstützung zu bekommen, findet man sich in einer Odyssee aus Gutachtern, Ämtern und Ärzten wieder. Und ich spreche hier sicher nicht nur für mich, das einen das noch zusätzlich sehr stark belastet, anstatt hilft.

 

Hat sich Deine Sichtweise auf das Leben verändert?

Man freut sich schon über Kleinigkeiten und man lernt schnell es ist besser einen Hand voll sehr gute Freunde zu haben, als viele Oberflächliche. Mein anfänglicher Optimismus die Krankheit zu besiegen, ist zu einem Realismus geworden.

Ich muss mich immer wieder damit auseinander setzen,

dass das Leben oft anders läuft, als man es für sich geplant hat. 

 

Auf Deinem Blog teilst Du Deine Erfahrungen mit anderen, welches Ziel verfolgst Du mit Deinem blog?

Ganz klar Hilfe zur Selbsthilfe!

Die bevorzugte Therapie bei Endometriose ist immer noch eine Hormontherapie. Ich vertrage aber keinerlei Hormone und nehme auch keine mehr, deswegen habe ich immer nach anderen Möglichkeiten gesucht mit den Problemen und Schmerzen umzugehen.

 

Zudem habe ich durch meine Physiotherapie Ausbildung viele Anwendungen erlernt, die sich auf die Endometriose Auswirkungen übertragen lassen. Diese positiven Erfahrungen, die ich selbst gemacht habe, wollte ich unbedingt weitergeben.

Denn oft fühlt man sich als Betroffene sehr hilflos,

doch ich finde, das muss nicht so sein! 

 

Welche Rückmeldungen bekommst du zu deinem Blog?

Bisher nur Positive!

Am meisten freue ich mich immer, wenn ich persönliche Fragen per Mail bekommen, um individuell zu helfen. Hier merke ich auch immer, dass ich noch lange nicht am Ende mit meinem Blog angekommen bin, da die Krankheit so viele Gesichter hat.

Deshalb möchte ich auch hier nochmal betonen, dass man keinen Hemmung haben sollte mir zu schreiben!