Chance zu Veränderung? Eine kritische Reflexion zur aktuellen Situation

Überall lese ich, dass die Menschen durch die Coronakrise zu mehr Wertschätzung, Dankbarkeit und Solidarität gelangen. Dass sie verstanden haben, dass sie sich ändern müssen, damit unser Planet überleben kann. Damit wir überleben können.

Viele von uns haben aktuell mehr Zeit, um über die Geschehnisse in der Welt nachzudenken. Vom Großen fällt bei manchen der Blick aufs Kleine und manch einer wagt es, hinter die eigenen Verhaltensweisen zu schauen und diese kritisch zu hinterfragen.

Doch ich greife vorweg. Schauen wir erst einmal zurück auf die letzten zwei Wochen:

Beobachtungen aus dem Alltag

Was hat sich verändert?

  • Mehr Familien sind im Wald unterwegs
  • Mehr ältere Menschen gehen spazieren
  • Auf sozialen Medien wird so viel Hilfe und Unterstützung angeboten wie nie zuvor

Entspanntes Bezahlen im Supermarkt

Entspanntes Bezahlen ist durch die Abstandhaltung bei Lidl und Aldi plötzlich möglich ohne dass die KassiererIn mir schon die Ware vom Nächsten zuschiebt und mein Hintermann mir den Einkaufswagen in die Fersen drückt

Home Office

Arbeitgeber haben plötzlich kein Problem mehr damit, ihren Arbeitnehmern Home Office zu gestatten (ist das aktuell eine Testphase? Wird sich Home Office in der ein oder andern Firma vielleicht etablieren?).

Homeschooling

…ist plötzlich machbar, auch wenn in Deutschland die Digitalisierung komplett hinterher hängt.

Medien

…haben nun eine offengelegte Macht über Menschen und das Gefühl von Abhängigkeit von Medien kann entstehen (um Informationen zu bekommen). Angst ist der regulierende Filter, mit dem Nachrichten gelesen werden.

Bedingungsloses Grundeinkommen

…ist möglich, allerdings nicht finanziert durch die Regierung, sondern durch die private Initiative der Bevölkerung (Stichwort: Mein Grundeinkommen, nächste Verlosung 1. April https://www.mein-grundeinkommen.de/).

Zu viel Zeit im Internet

Mehr Menschen sind online, tauschen sich online aus -> das Internet wird unverzichtbar für Kommunikation. Mir wird es übrigens gerade zu viel, denn in verschiedenen Gruppen werden so viele Nachrichten verschickt (mit Videos und Artikeln zu Corona), dass ich teilweise einfach mein wlan ausstelle, damit ich mal Ruhe habe.

Online-Handel

Aus Angst vor eine Ansteckung im Supermarkt und durch geschlossene Geschäfte, boomen Online Handel. Pfeiler verwandeln sich gerade in unzerstörbaren Beton. Dabei wollten wir doch alle der Umwelt zuliebe ein bisschen weniger online shoppen, oder?

Natur erholt sich scheinbar (laut Medien), weil wir

  • Weniger mit dem Flugzeug fliegen
  • Weniger Kreuzfahrtschiffe unterwegs sind
  • Mehr zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren
  • Weniger Menschen unterwegs sind

Das ist der aktuelle Stand. Ob wir dafür sorgen, dass sich dieser Trend fortführt, liegt an uns. Dazu würde ich euch gerne einen sehr guten Artikel empfehlen: https://www.welt.de/wissenschaft/article206709577/So-wirkt-sich-die-Corona-Krise-auf-die-Umwelt-aus.html

In diesem Artikel findet eine kritische Auseinandersetzung des Zusammenhangs von Umwelt und Corona als auch die möglichen positiven wie auch negativen Folgen auf das Klima auf globaler Ebene statt. Daher sehr lesenswert!

 

Der Blick nach vorne: Wie geht’s weiter?

In aller Munde ist derzeit der Artikel von Matthias Horx (https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/), der uns einen historischen Lernmoment prognostiziert, indem wir eine tiefgreifende Veränderung einläuten. In seinem Artikel sind ein paar wirklich gute Punkte, denen ich absolut zustimme (bspw. Home Office als Selbstverständlichkeit).

Doch wenn wir etwas aus der Krise lernen wollen, dann müssen wir den Blick auf unseren Lebensstil richten und in Verbindung treten mit dem großen Ganzen.

Was meine ich damit?

Jeder einzelne Schritt, den wir tätigen, hat eine Auswirkung auf unsere Umwelt. Das müssen wir begreifen.

Ich bin da in vielerlei Hinsicht kein Stück besser als ihr, versteht mich also nicht falsch. Wenn ich meinen Lebensstil anschaue, dann ist da eine ganze Menge, die ich ändern sollte.

Für eine Veränderung brauchen wir meiner Meinung nach eine neue Agenda, eine neue Bucket List.

Deswegen habe ich, noch während ich diesen Artikel schrieb, meine Bucket List abgehangen und kritisch überprüft. Einige Punkte werden wegfallen, neue Punkte werden dazu kommen.

Die „alles verändernde Bucket List“

Ich würde euch gerne bitten, auch eine aufzustellen. Eine Liste, die euer Leben nachhaltig verändert. Eine Liste, die „Planet Erde-freundlich“ ist.

Um euch dabei zu unterstützen, gibt es hier ein paar Fragen, an denen ihr euch orientieren könnt:

Statussymbole

  • Welches Auto fährst Du? Kannst Du darauf verzichten?
  • Kannst Du auf Wochenend-Städte-Trips verzichten? Bist Du bereit nur einmal im Jahr Urlaub zu machen? Kannst Du komplett auf Kreuzfahrtschiffreisen verzichten?
  • Wie umfangreich ist Deine technische Ausstattung? Brauchst Du wirklich alles davon? Muss es die super teure Soundanlage sein?

Ernährungsgewohnheiten

  • Bist Du bereit, Dich vegetarisch zu ernähren?
  • Bist Du bereit, auf dem Wochenmarkt einzukaufen, die lokalen Bauern zu unterstützen?
  • Bist Du bereit, gerettete Lebensmittel mit auf Deine „Einkaufsliste“ zu setzen?
  • Bist Du bereit auf bspw. spanische Orangen zu verzichten?

Wohnen

  • Bist Du bereit, in eine kleinere Wohnung/Haus zu ziehen?
  • Bist Du bereit, weniger Gegenstände, Möbel und Kleidung zu besitzen? Brauchst Du wirklich alle technischen Geräte in der Küche? (bspw. Eierkocher…das geht auch per Topf)
  • Bist Du bereit in einem Mehrgenerationenhaus mit älteren Menschen zu leben?

Umgang mit Natur

  • Bist Du bereit, mehr in die Natur zu gehen?
  • Bist Du bereit, Natur als einen Teil Deines Selbst zu verstehen?

Soziale Beziehungen

  • Wirst Du auch noch nach der Krise bereit sein, für den alten Mann nebenan einkaufen zu gehen?

UmweltUNfreundliche Unternehmen

Wie positioniert ihr euch zu Unternehmen, die

  • Wälder roden lassen
  • Wasser privatisieren wollen
  • Menschen (besonderes Augenmerk liegt hier auf Kindern) unter unwürdigen Zuständen arbeiten lassen?

Kauft ihr weiterhin ihre Produkte?

 

Schlussworte

Für manch einen mögen meine abschließenden Worte zu negativ sein. Ich bin durchaus ein Mensch, der die positiven Seiten einer Sache sieht, doch bin ich auch Realist und lerne aus meinen Erfahrungen. Und wenn ich eins weiß, dann das:

Ich bezweifle, dass diese Pandemie ausreicht, um Menschen zu einer dauerhaften Veränderung zu bewegen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, sobald die Gefahr vorbei ist, wird sich kurzfristig vielleicht etwas ändern.

Doch ob die Menschheit wirklich bereit ist, ihren Lebensstil zu ändern, weil sie verstanden haben, dass Mensch und Umwelt unabdingbar miteinander verknüpft sind…daran glaube ich nicht.

Wenn ich etwas gelernt habe aus meiner langjährigen Arbeit mit Menschen, dann das:

Der Leidensdruck muss so hoch sein, dass die Situation nicht mehr ausgehalten werden kann und nur eine Veränderung die Lösung ist.

Mal ehrlich: Wie viele von euch halten die aktuelle Situation wie sie ist so gar nicht mehr aus und sind bereit, tiefgreifende und dauerhafte Veränderungen im Lebensstil vorzunehmen?

Daher meine Bitte: Hütet euch vor dem Gedanken „ist ja nochmal gut gegangen“, um dann wieder in alte Verhaltensmuster zu verfallen.

Jetzt ist der Zeitpunkt, um den ersten Schritt zu machen in eine Richtung, die seit Jahrzehnten von Klimaschützern angezeigt wird.

Ich weiß, ihr habt das verstanden. Doch wissen und fühlen ist nicht das Gleiche und erst wenn wir beides verknüpft haben, sind wir wirklich bereit.

Der erste Schritt könnte so aussehen:

Stärkt euer Immunsystem, von innen (Ernährung).

Und stückweise nähert ihr euch durch mehr Zeit in der Natur einem Umweltbewusstsein an und sorgt in weiteren Schritten dafür, dass auch eure Umwelt (bspw. saubere Luft, sauberes Wasser) einen positiven Einfluss auf eure Gesundheit hat.

Also: Geht in euch, überlegt, welchen Weg ihr gehen wollt und bleibt gesund! 😉

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