Der Weg in die Freiberuflichkeit

 

In den letzten Jahren stand für mich immer wieder ein großes Thema  im Raum: Freiberuflichkeit.

Nachdem der Traum vom Auswandern nach Kanada scheiterte (mehr Infos hier), stand für mich klar, dass ich in Deutschland lieber meine eigene Chefin wäre als für jemand anderen zu arbeiten. Doch ganz ohne finanzielles Polster geht das nicht und mein Geld hatte ich zu jenem Zeitpunkt in Immigrationsgebühren, Übersetzungen etc. investiert.

 

Da ich in der Vergangenheit positive Erfahrungen mit dem Modell „Teilzeitstelle + Freiberuflichkeit“ gemacht habe, setzte ich mir dies erneut zum Ziel. Mein Plan war, maximal 30 Wochenstunden zu arbeiten und Freitags frei zu haben, um mich dann um meine freiberuflichen Aufträge kümmern zu können.

Doch bei beiden darauffolgenden Jobs ließ ich mich dazu überreden 35 Wochenstunden zu arbeiten (+die üblichen Überstunden), bei der einen Stelle konnte ich freitags gar nicht frei machen, bei der anderen Stelle musste ich  3 Stunden freitags im Büro sein.

 

Somit hatte sich die Freiberuflichkeit neben der Teilzeitstelle so gut wie erledigt.

Zwar habe ich hier und da Vorträge an der VHS gehalten,

aber ganztägige Fortbildungen zu geben war nicht drin. 

 

Das Resultat? Unzufriedenheit und Frust.

 

 

Zum einen hatte ich das Gefühl, mein Potenzial nicht vollständig nutzen zu können. In der ersten Arbeitsstelle war ich vollkommen fehlbesetzt, da eine Verwaltungsfachangestellte besser gepasst hätte als eine pädagogische Mitarbeiterin (mehr Infos dazu hier). Bei der zweiten Stelle, in einer Kita, sah es zwar schon besser aus mit der Umsetzung eigener (pädagogischer) Ideen, aber auch dort war ich an die vorgegebenen Rahmenbedingungen gebunden – inklusive absolutem Personalmangel, der eine kontinuierliche Projektarbeit unmöglich machte.

Zum anderen bin ich ein kognitiv-praktischer Mensch, der sowohl Zeit am Schreibtisch als auch in der Praxis braucht. Im pädagogischen Bereich sind das oft zwei unterschiedliche Rollen:

 

Die Schreibtischfrau beschäftigt sich in der Regel mit Leitungsaufgaben, administrative Aufgaben, Kostenkalkulationen, konzeptionelles Arbeiten, arbeitet eher theoretisch und „mit dem Kopf“.

Die Praxisfrau ist nah am Klienten, arbeitet „an der Front“, arbeitet praktisch und mit „den Händen“.

 

In der pädagogischen Praxis lassen sich diese beiden Rollen so gut wie NICHT vereinbaren. Und dann war da noch die Sache mit dem Entwickeln und Umsetzen eigener Ideen…

 

Ich fragte mich immer wieder:

Wie würde es aussehen und sich anfühlen, wenn ich mein volles Potenzial nutzen könnte?

Wenn da keine Chefin im Nacken sitzt und sagt „das geht nicht“?

Was, wenn ich alle meine Ideen ohne Zeitdruck (aufgrund Verpflichtungen durch Festanstellung)

zu Ende spinnen und ausprobieren könnte?

 

Bei beiden Arbeitsstellen ging ich einen Kompromiss ein zwischen meinen eigenen Vorstellungen und den Vorstellungen meiner Arbeitgeber. Meine eigenen Ideen und freiberuflichen Ziele blieben  dabei auf der Strecke.

 

Wieder machte sich Frust und Unzufriedenheit breit.

Ich hatte die Schnauze voll und nahm mir eine Auszeit.

 

Erneuter Versuch

In der Auszeit wollte ich schreiben, schreiben, schreiben und vor allem meine Geschäftsideen ausformulieren. Außerdem betrieb ich detaillierte Recherche zum Thema „Freiberuflichkeit unter Pädagogen“ und stellte enttäuscht fest: Ich kann es mir nicht leisten, komplett freiberuflich zu arbeiten!

Also ging ich (wieder) den Kompromiss ein, nach einer Teilzeitstelle zu suchen, neben der ich mich selbstverwirklichen konnte. Dieses Mal blieb ich knallhart als es um Arbeitszeiten und Arbeitstage ging.

 

Wann immer ein potenzieller Arbeitgeber sagte

„es tut uns leid, an dem Gehalt können wir nichts machen“,

sagte ich

„tut mir leid, aber freitags und die Ferien möchte ich frei haben.

Sonst kann ich das niedrige Gehalt nicht mit besser bezahlten freiberuflichen Aufträgen ausgleichen“.

 

Natürlich gestaltete sich die Jobsuche schwierig, obwohl ich speziell nach Schulbegleiter/Schulassistenz-Stellen suchte, denn diese arbeiten lediglich während der Schulzeit. Ferien also frei.

Ernüchternd musste ich auch hier feststellen: Nicht realisierbar. Denn die meisten Träger stellen nur Mitarbeiter für fünf Tage die Woche ein, meist zwischen lediglich 3-5 Stunden am Vormittag. Eine 4-Tage-Woche war für sie undenkbar. Lieber ließen sie ein Kind ganz ohne benötigte Unterstützung als jemanden nur für vier Tage die Woche einzustellen.

 

Glück gehabt!

Gerade als ich beschloss, ins kalte Wasser zu springen und doch komplett freiberuflich zu arbeiten (mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu Beginn), fand ich eine Stelle und wie es scheint, lassen sich meine Ziele damit vereinbaren. 

Die 100%ige Freiberuflichkeit ist immer noch nicht vom Tisch. Aber momentan ist es einfach nicht umsetzbar. Stattdessen konnte ich aber bereits ein paar freiberufliche Aufträge problemlos in den Sommerferien durchführen und Weitere sind in Aussicht.

Dennoch soll meine intensive Recherche nicht umsonst gewesen sein und wie ich bereits vor einigen Wochen angekündigt habe, teile ich gerne meine Ergebnisse mit euch. Freut euch also auf Artikel über Motivation, Beweggründe, Zielsetzung, Geschäftsplan, Versicherungen etc. rund ums Thema “Freiberufliche Pädagogen”!

 

Gibt es Pädagogen unter euch, der bereits komplett freiberuflich arbeiten?

Wie sind eure Erfahrungen?

Ich freue mich über eure Rückmeldung 🙂