Driving Home For Christmas – Gedankensprünge

Es wird langsam Zeit, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Also suche ich meine „Christmas playlist“ heraus und lasse sie den ganzen Tag und vor allem während dem Schreiben laufen.

Was mir dabei durch den Kopf geht? Die üblichen „Ohje, in drei Tagen ist Weihnachten!“ – Gedanken, die weihnachtliche Vorfreude (worauf nochmal?), die Erinnerungen an typische Weihnachtsgerüche, Traditionen und der Sehnsucht nach dem Sommer.

 

Driving home for Christmas. Oh, I can’t wait to see those faces

 

Jetzt muss morgen nur noch die Bahn mitspielen.

It’s gonna take some time

Genaugenommen soll es 8 Stunden und 9 Minuten dauern. 9 Minuten Umsteigezeit in Hamburg. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass das sehr knapp wird. Üblicherweise hat der Zug aus Kiel Verspätung. Und kommt dann am anderen Ende des Bahnhofs an.

 

Ich bereite mich in Gedanken darauf vor, Treppen hoch und wieder runter zu rennen, Hindernissen auszuweichen und laut „Entschuldigung, darf ich mal vorbei?“ zu rufen.

 

Danach werde ich bereit sein für Takeshi’s Castle.

 

Später habe ich noch einmal 20 Minuten Umsteigezeit. Hört sich gut an. Doch auf ca. 530 km Bahnstrecke sollte man alle Eventualitäten wie technische Störungen, lebensmüde Schafe oder Menschen auf den Bahngleisen besser einkalkulieren.

 

Mit der Deutschen Bahn zu fahren ist immer ein Abenteuer.

Man weiß nie, was passieren oder wann man ankommen wird …

 

Ich bin gewappnet. Genug zu essen und trinken mitnehmen, damit ich notfalls die ganze Nacht im Zug überleben kann, mehrere Schichten Kleidung falls die Heizung wieder einmal ausfällt oder so hoch gestellt ist, dass der Verdacht entsteht, wir alle sollen gebraten als Festmahl auf dem Weihnachtstisch landen.

 

„Rudolph the rednose reindeer“ (Ella Fitzgerald)

 

Meine Gedanken wandern zu Heiligabend. Bei uns zu Hause ist/war es Tradition, dass die Kinder ins Obergeschoss gehen und dort auf das Christkind warten.

 

Wenn die Glocken läuten, gehen wir nach unten ins Wohnzimmer, der Weihnachtsbaum leuchtet in vollem Glanze, silberne und goldene Christbaumkugeln zieren das duftende Grün und in der Mitte prangt eine einzige rote Kugel, auf die mein Vater jedes Jahr besteht (gemeint ist: Die einzige rote Kugel, die meine Mutter am Baum erlaubt).

 

Wunderkerzen verbreiten einen rauchigen Geruch im Kontrast zu dem aus der Küche dringenden Duft des Schweinefilets in Blätterteig.

 

Das Feuer knistert und knackt im Kamin (es ist unglaublich warm im Raum), die Weihnachtsglocken von einer alten Schallplatte (mittlerweile digitalisiert) dröhnen laut in unseren Ohren, wir singen irgendein Weihnachtslied („Oh Tannenbaum“??) und erst dann wünschen wir uns gegenseitig „Frohe Weihnachten“.

 

Ich muss unwillkürlich grinsen.

Ja, ich werde wieder einmal mit meiner kleinen Schwester eine kurze Diskussion haben, dass wir nun endgültig zu alt für diese Tradition sind 🙂

(Ausnahmen: Wenn unsere mittlere Schwester mit den Kindern auch da ist.)

 

Das erinnert mich daran, dass meine kleine Schwester und ich 2011 in Paris waren und weil unsere Eltern Paris so mögen haben wir ihnen einen kleinen Eifelturm von dort mitgebracht – der dann als Spitze in jenem Jahr den  Weihnachtsbaum schmückte. Mal was anderes.

 

Die Essensfrage

Schon vor vier Wochen hat meine Mutter angefragt, was wir essen wollen.

 

Ohje. Notiz an mich selbst: Dran denken, Müsliriegel und ein paar kleine Snacks zu kaufen. Meine Mutter vergisst immer vor lauter Aufregung zu essen und dann wird sie zur perfekten Besetzung einer Snickers-Werbung

 

Der Essensplan steht also für Heiligabend und den 2. Weihnachtstag. Wenn ich meinen Eltern morgen vorschlage, dass wir am 1. Weihnachtstag grillen könnten, wird meine Mutter erst ihre „spinnst du?“- Miene und dann ihre „dann müsst ihr halt grillen“-Schnute aufsetzen während mein Vater freudestrahlend in den Garten läuft und schon mal den Schwenkgrill sauber macht.

 

Wäre nicht das erste Mal, dass wir im Winter grillen 😀

 

 „Winter in Kanada“ (Elissa Gabbai)

Ah, schön 😀 (Kommt schon, ein bisschen Kitsch muss sein!)

Ich muss breit grinsen. Früher war es das Lieblingslied meiner Mutter. Wenn sie damals gewusst hätte, dass ich drei Jahre in Kanada wohnen würde, hätte sie das Lied wohl weniger oft gehört.

 

„Feliz Navidad“

Ahja, das Lieblingsweihnachtslied meiner kleinen Schwester. Wenn ich dann an meine mittlere Schwester denke, habe ich gleich ihre Stimme im Kopf, wie sie die Titelmusik von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ trällert und ich steige mit ein. Egal, was die Nachbarn denken.

 

Es wird wohl nicht schwer sein, sich Aschenbrödel in den nächsten Tagen anzuschauen (ein absolutes Weihnachts-MUSS!), da er (gefühlt) alle 2 Stunden auf einem anderen Sender läuft (in Wahrheit sind es nur 16x in 3 Tagen 😉 siehe hier

 

Und wenn meine Schwester und ich es doch verpassen sollten,

dann haben wir ja auch noch die DVD.

 

 „Carol of the bells“

Wie passend. Das erinnert mich daran,

dass auf meiner Weihnachts-to-do-list noch

„Kevin allein zu Haus“ schauen steht.

 

Genauso wie „Das Wunder von Manhattan“ und „Das letzte Einhorn“. Ja, Letzteres gehört für Weihnachten dazu, weil der Film immer an Heiligabend läuft.

 

Er erinnert mich aber auch an die vielen Fahrten nach Südfrankreich, auf denen wir in Dauerschleife „Das letzte Einhorn“ hörten (mein Vater hatte den Film auf Kassette aufgenommen).

Ein Adler schreit in meinem Kopf, eine Stimme spricht „Ich bin das einzige Einhorn, das es gibt? Das Letzte?“ und die Titelmusik beginnt. Der Schmetterling erscheint.

Die Szene kann ich bis heute auswendig aufsagen.

 

Nach mehreren zehn- bis zwölfstündigen Autofahrten mit dem letzten Einhorn in Dauerschleife ist das wohl auch nicht verwunderlich.

Was ich vor allem auch mit dem letzten Einhorn verbinde, ist Wärme. Und Sonne.

 

Mh, Sonne, Wärme, wie ich das vermisse! Heute habe ich die Sonne zum ersten Mal seit 2,5 Wochen wieder gesehen.

Dafür  habe ich den Kindern im Kindergarten in der letzten Zeit oft „Frederick“ vorgelesen.

 

Frederick, die kleine Maus, die von den blauen Kornblumen, den roten Mohnblumen, dem gelben Kornfeld und den grünen Blättern am Beerenbusch erzählt. Und die Sonne? Vermisst ihr nicht auch die Sonne?

 „Macht die Augen zu. (…) Jetzt schicke ich euch die Sonnenstrahlen. Fühlt ihr schon, wie warm sie sind? Warm, schön und golden.“

 

Und wenn es mit der Sonne nix wird, macht ein Feuer im Kamin (oder draußen), setzt euch davor, haltet die Hände davor, spürt die Wärme auf euren Händen, auf eurem Gesicht, hört den flüsternden Flammen zu und genießt einen Augenblick der Ruhe!

 

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten! 🙂