Freiberuflichkeit: Grundlegende Fragen klären

Die Frage nach dem „warum?“

Im letzten Artikel habe ich bereits angeschnitten, warum ich freiberuflich arbeiten möchte. Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung. Doch steckt natürlich weit mehr dahinter.

Lasst uns einen Blick darauf werfen, welche Beweggründe es außerdem gibt: Unzufriedenheit und Frust.

 

Wann immer ich das Gefühl habe, mein Leben ist aus dem Gleichgewicht geraten und Frust macht sich breit, orientiere ich mich an den folgenden Fragen, um alles wieder in Balance zu bringen:

Was brauche ich?

Was will ich?

Wo fühle ich mich wohl?

Lasst uns die Fragen genau unter die Lupe nehmen:

 

Was brauche ich?

Hiermit sind deine Bedürfnisse gemeint, die du zum Überleben brauchst. Das, was dein tiefstes Inneres einfordert. Deine Grundlage.

„Was brauche ich?“ bedeutet für mich vor allem, dass ich

ein Dach über dem Kopf und zu essen, trinken und Kleidung habe und Zeit mit Menschen verbringe, die ähnliche Interessen haben und ähnlich denken (immer anzuecken macht keinen Spaß).

 

Was will ich?

Das, was dir wichtig ist aufgrund von Erziehung, Bildung, Sozialisation. Alles, was nicht Grundbedürfnis ist. „Ich will“ sind die Dinge, die dich antreiben, die dich motivieren.

In Bezug auf Freiberuflichkeit bedeutet das: Was du willst, sind gleichzeitig deine Ziele, auf die du hinarbeitest. Deine Richtung.

 

Ich will

* die Freiheit haben, mich frei zu bewegen (unterschiedliche Arbeitsorte, sonst fließen keine Ideen).

* nach meinem eigenen Biorhythmus zu arbeiten (zwischen 13 und 15 Uhr geht bei mir rein gar nichts…

* Zeit haben, mich kreativ zu betätigen und eigene Ideen entwickeln und umsetzen (in der Kombination Festanstellung – Freiberuflichkeit immer schwierig)

* im Winter 6-8 Wochen in der Wärme und Sonne leben (ich hasse Winter, Dunkelheit und Kälte abgrundtief).

* mein eigener Boss sein.

 

 

Die Vision

Wichtig an dieser Stelle sind nicht nur die Ziele, die du verfolgst. Du brauchst ebenso eine Vision. Das übergeordnete Ziel, das du vielleicht nicht erreichen wirst, aber es lohnenswert ist, danach zu greifen.

Meine Vision? Ein Ausschnitt…

Eine Bildungslandschaft, deren Akteure Vertrauen haben (in Kinder, in Eltern), die an Prozessen und nicht an Ergebnissen orientiert sind. Rahmenbedingungen, die ein leistungsfreies und kompetenzfreies Aufwachsen ermöglichen. Eine pädagogische Praxis, in der Lob und Stärkenorientierung wichtiger sind als Kritik und Defizitorientierung.

Schule wird als ein Ort des Lernens begriffen, an dem sich generationenübergreifend die Menschen aus dem Stadtteil treffen und eine Lerngemeinschaft bilden. Schule ist ein Ort des Zusammenkommens, von wo aus sich die Lernenden als Lerngruppe gemeinsam auf den Weg machen. Schule ist nicht mehr auf das Schulgebäude begrenzt ist, sondern Einrichtungen, Unternehmen, den gesamten Stadtteil als Orte des Lernens mit einschließen.

Die Schulpflicht ist abgeschafft und das damit verbundene Vertrauen in Eltern sorgt dafür, dass alternative und mobile Lebensstile möglich sind.

In der frühkindlichen Bildung stehen die Bedürfnisse von Familien an erster Stelle. Die Vereinbarung von Familie und Beruf bedeutet, dass mehr Zeit für Familie ist bei gleichbleibendem Gehalt und weniger Arbeitsstunden. 

 

Wo fühle ich mich wohl?

Wie muss der Ort, an dem du lebst, aussehen? Welche Rahmenbedingungen müssen vorherrschen, damit du dich wohlfühlst?

 

Für mich sind folgende Faktoren ausschlaggebend, um mich wohl zu fühlen:

Rahmenbedingungen: Veränderbar, dehnbar, prozesshaft und beweglich

Menschen: Positive, offene, aufgeschlossene, tolerante, hilfsbereite Menschen.

Kultur: Immer etwas Neues entdecken, jeden Tag Unterschiede erleben, gefordert sein und inspiriert werden.

Klima: Warme Sommer, milde Winter, kein Schnee, viel Sonne.

Standort: Stadtrand (mittelgroße Stadt), Waldnähe, Wassernähe (großer See oder Meer).

   

 

Die Frage nach dem „was?“

Nachdem wir geklärt haben, warum wir freiberuflich arbeiten möchten, lasst uns übergehen zu den Fragen nach der Vorstellungen über und Erwartungen zu Freiberuflichkeit.

 

Was bedeutet für mich „freiberuflich“ zu arbeiten?

* Eigene Ideen entwickeln und umsetzen

* Meine eigene Chefin sein

* Flexibilität

* Grenzen austesten, experimentieren

 

Doch machen wir uns nichts vor: Freiberuflicher oder selbständig sein ist kein Zuckerschlecken. Die Realität holt euch schneller ein als ihr denkt. Es bedeutet auch:

* Auch am Wochenende arbeiten

* Lange Arbeitstage haben

* Auf sich allein gestellt sein

* Auch mal Phasen mit finanziellen Unsicherheiten haben

 

Fragt einmal Selbständige und Freiberuflicher aus eurem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, was die Vor- und Nachteile sind. Erkundigt euch im Internet. Bei https://www.selbstaendig-im-netz.de gibt es einen schönen Überblick zum Thema „Die richtige Einstellung“ .

 

Schafft euch ein realistisches Bild von Freiberuflichkeit.

Fragt euch: Seid ihr der Herausforderung (schon) gewachsen?

 

Was soll sich ändern?

Wenn wir uns den aktuellen Stand unseres Lebens anschauen, dann muss es etwas geben, mit dem wir unzufrieden sind. Etwas, das nicht so läuft, wie es soll. Etwas, das sich ändern soll.

 

In meinem Fall geht es mir darum,

* Zeit zu haben, um unterschiedliche Interessen zu vereinbaren: Schreiben, natur- und wildnispädagogische Projekte anbieten, Fortbildungen geben und an Fortbildungen teilnehmen, reisen/Freiwilligenarbeit

* Arbeitszeiten und Arbeitsorte flexibel einteilen zu können

* abwechselnden Tätigkeiten nachzugehen

* experimentieren können

* zeitlich begrenzte Projekte durchzuführen

* Anweisungen und Arbeitsaufträge nicht umsetzen zu müssen, die ich nicht mittragen kann

 

 

Was noch? Alle Fragen, die dir noch durch den Kopf gehen sollten…

  • Habe ich bereits eine Geschäftsidee? Ist sie gut durchdacht? Habe ich intensive Recherche betrieben, ob und wie oft es meine Geschäftsidee schon gibt?
  • Habe ich die fachliche Kompetenz, die zu meiner Geschäftsidee gehört? Oder muss ich noch Weiterbildungen besuchen?
  • Will ich alleine arbeiten? Will ich Mitarbeiter haben?
  • Bin ich mir im Klaren darüber, dass die ersten Monate/Jahre hart werden?
  • Kann ich mir eine Wohnung leisten oder wird erst nur ein WG-Zimmer möglich sein?
  • Werde ich mir ein Auto leisten können? Brauche ich überhaupt ein Auto?
  • Wie sieht mein Netzwerk aus? Habe ich eins? Muss ich eins aufbauen? Kann ich Kunden/Klienten aus meiner jetzigen Tätigkeit mitnehmen?
  • Brauche/will ich ein Büro?
  • Welche Anschaffungen muss ich tätigen?

Mit Sicherheit fallen dir auch noch weitere Fragen ein, die mit deiner Geschäftsidee zu tun haben 😉

 

Und zu guter Letzte die Frage nach dem „warum nicht?“ – Bedenken

Kommen wir zu den Blockaden im Denken. Die gedanklichen Hindernisse, die uns immer wieder davon abhalten, den Schritt zu wagen. Die Glaubenssätze und Prägungen aus unserer Kindheit, mitgegeben von Familie, Kindergarten und Schule.

 

* Ich brauche Geld, um freiberuflich arbeiten zu können.

* Ich brauche ein gewisses Maß an Sicherheit und Vorhersehbarkeit.

* Ich will alles jetzt sofort.

* Ich habe keine Ausdauer und gebe auf bevor ich mein Ziel erreicht habe.

 

Kommt euch das bekannt vor? Was sind eure Unbewussten Prägungen und Glaubenssätze, die euch davon abhalten, ins kalte Wasser zu springen?

Neben den gedanklichen Blockaden gibt es auch Stolpersteine, die du bei deinem Vorhaben bedenken solltest. Auf https://www.zeitblueten.com gibt es einen sehr schönen Artikel dazu, der die Facetten der Schwierigkeiten beleuchtet.

 

Trau dich!

 

 

Mit dem letzten Absatz wollte ich dich nicht verunsichern. Aber wenn es um Freiberuflichkeit/Selbständigkeit geht, dann kommst du nicht drum herum, dich auch mit den unschönen Seiten zu beschäftigen.

Es sind gesunder Menschenverstand und realistische Vorsicht verlangt, wenn du dein Vorhaben in die Tat umsetzen möchtest.

Doch eins kann ich dir sagen: Wenn du nun seit vielen Jahren bereits mit dem Gedanken spielst, als FreiberuflicherIn zu arbeiten, dann wird es Zeit für den nächsten Schritt. Verlass die Gedankenspielebene und fange an zu handeln!

 

Recherchiere, plane und realisiere deine Idee – wohlüberlegt und Schritt für Schritt.

Denn du willst doch, dass deine Freiberuflichkeit ein Erfolg wird, oder?

 

Wenn du immer noch zögerst und Zuspruch brauchst, schau dir den sehr ermutigenden Artikel „23 unschlagbare Gründe, Dich selbständig zu machen!“  an 🙂