Gianluca (1/3): “Gesichter der Welt”

Als ich diese Reise begann, wollte ich so viele Fotos wie möglich von den Leuten auf meiner Reise machen.

Ich bin mit dem Zug von Spanien nach Neu-Delhi reisen.

Am Anfang war ich wirklich hartnäckig und ich habe meine Mitreisenden oder die Leute im selben Abteil gefragt, ob ich ein Foto von ihnen machen kann. In manchen Fällen habe ich nicht die gleiche Sprache wie sie gesprochen, also hatte ich etwas aufgemalt, auf ein Blatt Papier, was ich von ihnen wollte.

Ich habe also eine Weltkarte aufgemalt und sagte mit Händen und Füßen „Ich reise von Spanien nach Indien und ich würde gerne Fotos von den Menschen machen, die ich auf der Reise treffe, kann ich ein Foto von dir machen?“

Ein paar Leute antworteten, dass sie das nicht möchten, aber die meisten Menschen haben akzeptiert.

Viele Leute waren glücklich darüber, als ich sie nach einem Foto fragte und Menschen kamen zu mir und fragten mich „kannst du ein Foto von mir machen?“.

Mein Eindruck ist, und vielleicht ist das eine romantisierende Idee, dass manche von ihnen wirklich Teil meines Lebens sein wollten.

 

Sie wollten mit ihrem Bild in eins dieser netten europäischen Wohnzimmer, dass sie im Fernsehen gesehen hatten. Sie wollten einen Schritt in diese Welt machen.

 

Meine Frage war immer die Gleiche, aber ihre Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Es gab Menschen, die gelächelt haben, manche haben nicht gelächelt, manche haben direkt in die Kamera geschaut, aber die meisten haben woanders hingeguckt.

 

Ich denke, es ist eine Reflektion der unterschiedlichen Kulturen.

 

Im Iran mochten es viele Menschen nicht direkt in die Kamera zu gucken. In manchen Fällen haben Leute es abgelehnt ein Foto zu machen. Es waren Frauen, die mir erklärten, dass sie –gemäß ihrer Kultur- kein Foto machen lassen dürfen ohne die Erlaubnis ihres Ehemanns.

 

Da gab es also eine große kulturelle Bedeutung.

 

Ich erinnere mich an einen Fall, da war eine Frau, von der ich wirklich gerne ein Foto machen wollte. Sie war schön, trug ein Kopftuch. Aber ich wollte auch ein Foto von ihrem Gesicht machen.

Am Ende war es mir nur möglich ein Foto von ihr zu machen, bei dem sie die Hände vor das Gesicht hielt. Sie war mit meiner Bitte, ein Foto von ihr zu machen, einverstanden.  

 

Natürlich ist es schwierig nicht von kulturellen Stereotypen zu sprechen oder sie zu benutzen, ich versuche es wirklich nicht zu tun. Aber ich erinnere mich, als ich in dieser Straße in Neu Delhi war, da war mein Eindruck

„das ist es, wie und wo unsere Sklaven leben, diese Menschen sind im Grunde genommen hier dabei zu helfen, dass wir unsere T-Shirts bei H&M für 3€ bekommen.“

 

Photo by Gianluca_Worker with challenging look 1Ich erinnere mich insbesondere an den Ausdruck eines Arbeiters, als ich ihn fragte, ob ich ein Foto von ihm machen kann. Er hat nicht mit Verachtung reagiert, aber fast irgendwie herausfordernd.

Es war als würde er mir sagen wollen „ok, du bist wirklich an meinem Leben interessiert, also zeige ich dir wie hart meine Arbeit ist“. Und er hob eine schwere Kiste über seinen Kopf, ohne tschüss zu sagen und ging einfach weg. Ich konnte nur teilweise ein Foto von ihm machen.  

 

Ich hatte das Gefühl, dass ich wirklich einen einheitlichen Teil ihres Lebens festhielt.

 

Photo by Gianluca_Entrenpreneur carried on bike with his load by his employee

Es gab dort Menschen, die von Arbeitern getragen wurden und ich erinnere mich an einen Entrepreneur, der ganz oben auf einem Stapel Kisten saß. Sein Arbeiter trug den Stapel von Kisten und diese Person oben drauf.

Er schien nicht beschämt oder besorgt zu sein über die Tatsache, dass er offensichtlich das Gewicht für seinen Arbeiter erhöhte.

 

Bei anderen Reisen habe ich versucht das Gleiche zu machen. Fotos von den Menschen zu machen ist der beste Weg, um etwas von der Kultur und den Geschichten der Menschen einzufangen.

Viele konnten mir ihre Geschichte nicht erzählen wegen der Sprachbarriere, aber in vielen Fällen sprach ich mit ihnen und die Menschen erzählten mir ihre Geschichte.

 

Und viele Menschen sagten mir „du kannst so glücklich sein, dass du reisen kannst. Ich kann nicht einmal mein Land verlassen. Meine Regierung gibt mir kein Visum oder ich habe nicht das Geld“.

 

Manchmal schäme ich mich. Ich habe unglaubliches Glück. Ich kann etwas tun, was die meisten Menschen nicht tun können. Ich schätze dieses Lotterielos wirklich sehr, dass ich gezogen habe, um in diesem Land geboren zu sein.

 

Und ich glaube, ihre Geschichten zu erzählen, ist ein Weg, um das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie Menschen in anderen Ländern leben.