“Homeschooling ist eine wundervolle Reise!”

Valda lebt in Taupo, Neuseeland, und sie berichtete mir über ihren Homeschooling-Weg ihrer drei Kinder. Valda ist Buchhalterin, aber blieb zu Hause, um ihre Kinder zu Hause zu beschulen. Ihr Mann ist Lehrer und unterrichtet Naturwissenschaften an einer Schule.

Über homeschooling

Wir haben homeschooling mit unserer ältesten Tochter angefangen. Zu der Zeit als sie sechs Jahre alt wurde und wir sie in der Schule anmelden sollten, sagten wir „Ok, was wäre, wenn wir homeschooling anfangen würden?“ Mein Mann war nicht gerade begeistert diesen Weg zu gehen, er sagte „Schule ist ok“. Wir fingen an zu überlegen, dass Schule ok ist bis wir einen ‚Schluckauf“ im Kindergartensystem hatten. Der Kindergarten, in dem sie eingeschrieben war, hat plötzlich die Mitarbeiter gewechselt, direkt nachdem es für meine Tochter in Ordnung war sich von mir am Schultor zu verabschieden. Wir entschieden uns für homeschooling, weil sie sehr gezögert hat im Kindergarten gelassen zu werden und wir wussten, dass wir mindestens einmal vor ihrem sechsten/siebten Geburtstag umziehen werden. Bevor ihrem Geburtstag wollten wir ihr wenigstens ein wenig Stabilität geben.

Und dann dachten wir an die Probleme, die wir hatten, als wir durch das Schulsystem gingen. Mein Mann und ich wurden beide in der Schule gemobbt. Ich war eine von den Schülerinnen, die eine halbe Stunde früher als andere fertig waren und dann dachten „Ok, was soll ich jetzt tun?“. Also dachten wir uns, wir können diese Probleme umgehen, indem wir unsere Kinder zu Hause unterrichten.

Letztendlich lief es darauf hinaus, dass wir für unsere Kinder überlegten „Können wir es warmherziger gestalten? Können wir es glücklicher gestalten? Können wir es mehr interessant machen?“

Wenn man homeschooling machen möchte, muss man einen Antrag beim Ministerium für Erziehung/Bildung stellen und beweisen, dass man seine Kinder lehren wird. Du musst beweisen, dass du daran interessiert bist, deine Kinder irgendwie zu bilden und nicht einfach nur als Babysitter oder extra Hilfe auf der Farm benutzt. Sie erwarten von dir einen soliden Plan: „Das ist es, was wir im nächsten Jahr tun werden“ und dann kommen sie zu dir und gehen sicher, dass du lesen, schreiben, Mathematik, Technologie und Sprachen machst.

Sie geben dir eine Kopie des Lehrplans als eine Richtlinie, was du machen sollst. Aber sie sagen nicht, dass du dem Lehrplan folgen MUSST. Aber je näher du am Lehrplan dran bist, desto zufriedener sind sie. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass wir sie „regulär und so gut wie in der Schule“ unterrichten. Manchmal sieht man danach keinen Mitarbeiter mehr vom Ministerium. Ich erinnere mich, dass sie das Recht dazu hatten, dich zu überprüfen.

Wir haben uns entschieden, dem Lehrplan zu folgen. Aber die ganze Welt an Möglichkeiten, die ganzen Optionen, die man hat! Es gibt so viele Wege, wie du es machen kannst!

Wir haben viel mit Literatur gemacht, viel gelesen. Es war ein sehr Literaturbasierter Ansatz. In einer entspannten Phase haben wir viel geredet und gelesen, aber ich hatte ein sehr solides Englischprogramm. Es war sehr strukturiert.

Wir haben die Struktur gebraucht. Es sah dann so aus: Frühstück, Geschirr spülen, dann entweder laut vorlesen oder Schularbeit. Ich war nicht so entspannt; ich wollte unbedingt, dass wir lernen und erforschen.

„Spiel“ ist sehr wichtig. Es kommt darauf an, was die Kinder spielen und an was sie gerade arbeiten. Auch wenn ich einen strukturierten Ansatz habe, spielen meine Kinder doch und das ist dann, wenn sie eigentlich lernen. Sogar wenn sie Videospiele spielen. Ich kenne auch keine homeschooler, die Kinder haben und denken, dass Lego nicht das beste erzieherische Spielzeug ist. Die ganzen Sachen, die sie zusammen stecken und all die Variationen!

Schwierigkeiten

Die Lernspanne ist so groß. Und die Gedanken „Was, wenn ich es vermassele? Wie kriege ich dich dahin, wo ich dich am Ende gerne sehen würde?“ Familiärer Druck, Druck von Freunden. Homeschooling wird definitiv gesehen als „Warum willst du das? Bist du verrückt? Knüpfen die Kinder Kontakte?“

Manchmal habe ich da gesessen und mich gefragt „Was machen wir?“ Die größte Herausforderung war „Wie kann ich einem 5 Jahre alten Jungen das Lesen beibringen? Wie das Schreiben?“ Ich musste viel lernen, aber es hat Spaß gemacht.

Man hat diese lange Reise vom Kindergarten bis zur 12. Klasse.

Sozialisieren

Ich habe einen 15 Jahre alten Sohn, der mit 17/18 Jährigen befreundet ist. Meine Tochter war das einzige Mädchen in einem Abstand von vier Jahren und all ihre engen Freunde sind Jungs. Es gibt ein oder zwei jüngere Mädchen (Freundinnen) und das bringt eine interessante Dynamik hinein.

Es ist ein interessantes Dilemma als homeschool-Familie. Auf der einen Seite, ob nun strukturiert oder nicht, sie haben meist ihr eigenes soziales Netzwerk, je nachdem in welcher Gemeinde du lebst und wie sie aussieht. Du musst sicherstellen, dass es Kinder gibt, mit denen sie spielen können.

Zwei meiner Kinder sind wie ‚Wasser  und Öl‘, sie sind sehr verschieden und geraten oft aneinander. Wenn mein Sohn ein Problem mit seinem Bruder hat, dann kann er nicht einfach gehen und sich einen anderen Bruder suchen. Er muss da durch. Sie müssen mit ihren Geschwistern klar kommen.

Es ist eine andere Form von Sozialisation. Ich würde sagen, sozialisieren in einer homeschool-Familie bedeutet sich durch Probleme und Situationen, die sie nicht mögen, durchzuarbeiten.

Und wie willst du Freundschaften schließen, wenn es nur einen kleinen Pool an Leuten gibt? Kinder, die zu Hause unterrichtet werden, sozialisieren breiter, sie gehen (altersmäßig) hoch und runter, sie fühlen sich generell mit jeder Altersgruppe wohl. Aber, ja, sie wissen nicht, wie man mit Gruppenzwang umgeht.

Die Zukunft meiner Kinder

Auch wenn ich meine Kinder auf ihrem Lernweg getestet hätte, am Ende würde es nichts bedeuten. Du weißt, was/wer sie sind und sie lernen nicht, wenn du bei ihnen sitzt und ihre Arbeiten beurteilst. Ich bin eigentlich recht sicher, dass mein Kind es zur Universität bringt. Ich wollte, dass ihm die Türen zu einer höheren Bildung offen stehen, also werden wir die letzten 1-2 Jahre ihrer Ausbildung im neuseeländischen Schulsystem mit der ‚Correspondence School‘ (online lernen, Infos hier: http://www.education.govt.nz/home/education-in-nz/) abschließen.

Mein Sohn möchte Geschichtslehrer werden. Er liest sehr viel mehr alte Literatur (weil wir das so gewählt haben) als er im Schulsystem jemals gemacht hätte.

Meine 19 Jahre alte Tochter  ist sehr gut in Englisch, Latein und Griechisch und sie wird ein ‚Outdoor Instructor‘. Ohne sie wäre ich nie von einer Klippe gesprungen oder Kajak gefahren.

Zusammengefasst

Ich glaube, dass einer der schönen Seiten des homeschooling ist, dass jede Familie unterschiedlich ist. Jede Familie hat eine andere Leidenschaft für bestimmte Dinge

Du kennst deine Kinder am Ende viel besser. Und deine Kinder kennen sich selbst sehr gut

Ich liebe die Gespräche, die ich mit meinen Kindern habe!

Es gibt eine Menge Spaß und Nähe. Du bekommst ein sehr beständiges Gefühl von Familie und zu Hause.

Ein schlechter Tag in einer homeschool-Familie ist ein schlechter Tag! Ein guter Tag in einer homeschool-Familie ist ein toller Tag!

Ich war nie mutig genug, um mir unschooling (unstrukturierte Form des homeschooling) anzuschauen. Wenn ich es nochmal machen würde, dann hätte ich einen viel entspannteren Ansatz.

 

Es ist eine unglaubliche Reise, man lernt so viel! Als homeschooling-Mutter erlebst du viele Dinge, die du normalerweise nicht ausprobierst! Manchmal bringt es dich an Orte, von denen du nie gedacht hast, da würdest du nie hingehen!