Kiki (3/3)

“Dankbarkeit und Vertrauen”

Von Januar 2015 bis August 2015 war ich dreimal in der Situation, dass ich nicht wusste, ob ich in ein paar Wochen das Land verlassen muss. Als meine Arbeitserlaubnis auslief. Als ich auf die neue Arbeitserlaubnis wartete. Und als der Ablehnungsbescheid kam.

Ich wusste nicht, ob ich einen dieser Briefe bekommen würde, der mir sagen würde, dass ich vom einen auf den anderen Tag nicht mehr arbeiten dürfe (das ist meiner britischen Kollegin passiert). Es hätte sein können, dass ich mein ganzes Zeug hätte packen, oder verkaufen müssen; keine Möglichkeit zu arbeiten hätte bedeutet: Keine Krankenversicherung bezahlen können, keine Wohnung, gezwungen das Land zu verlassen…All die Befürchtungen und Sorgen.

Und dann dachte ich nur, wie verwöhnt ich eigentlich bin. ‚Wer bin mich zu beschweren, dass ich nicht von einem wohlhabenden und sicheren Land in ein anderes wohlhabendes und sicheres Land ziehen kann? Ich habe mein Heimatland aus Luxusgründen verlassen. Ich hatte eine Wahl. Ich war nicht gezwungen Deutschland aufgrund von Krieg oder Armut zu verlassen.‘

Also schaute ich auf die guten Seiten meines Lebens in Kanada und das Wichtigste, das ich in den letzten Jahren gelernt habe, ist Dankbarkeit. In Deutschland habe ich alles immer für selbstverständlich genommen. Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die das Leben mir gegeben hat, mich selbst weiter zu entwickeln, neue Dinge zu lernen und den Unterschied zu erleben. Ich habe viel über die kleinen Dinge des Lebens gelernt, ich war stärker als ich dachte und ich habe unglaubliche Menschen getroffen!

Doch neben all der Dankbarkeit musste ich immer noch herausfinden, was ich tun sollte. Mein Leben in Kanada war vorbei. Ich hatte keine Zukunft in dem Land, das ich mein zu Hause nannte. Ich musste wieder von vorne anfangen.

In meinem früheren Leben hätte ich den sicheren Weg genommen. Pläne schmieden, sich für Jobs bewerben, Geld sparen.

Doch in den letzten Jahren habe ich gelernt zu tun, was für mich am Besten ist. Das bedeutete für mich, dass ich manchmal einfach den unsicheren Weg gehen muss. Was ich brauchte war eine Pause, Urlaub. Und für mich gab es nur eine ‚Therapie‘, die mir meine Energie wieder geben würde: Neuseeland.

Kurz nachdem ich in Neuseeland ankam, konnte ich fühlen, dass ich wieder auf dem richtigen Weg, im Fluss, war. Wenn ich die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung für Kanada bekommen hätte, wäre ich nicht nach Neuseeland gereist. Ich hätte diesen Blog nicht gestartet. Und Du würdest dies nicht lesen 🙂

An manchen Tagen bin ich immer noch recht traurig, dass mein Leben in Vancouver/Kanada vorbei ist. Aber ich sage mir, dass es einen Grund hat, warum ich gerade nicht dort sein soll. Ich versuche nach vorne zu schauen und jeden Tag so zu nehmen wie er ist.

In der Vergangenheit war ich immer besorgt über die Zukunft. Ich hatte immer einen Plan, alles war 100% organisiert und wenn etwas meine Pläne verändert hat, wurde ich unsicher und manchmal sogar ängstlich, dass nichts funktionieren würde. Ich hatte immer diesen einen Weg im Kopf, kein rechts und links, nur geradeaus.

Nachdem ich durch so viele Schwierigkeiten in meinem Einwanderungsprozess ging, musste ich lernen, dass Pläne sich nun mal ändern können und dass es dann nur darum geht, wie flexibel ich bin und mich an die neue Situation anpassen kann.

Ich habe keine Angst mehr vor Neubeginnen. Ich habe keine Angst mehr durch neue Welten zu wandeln. Materialistische Dinge sind mir nicht mehr so wichtig wie sie früher einmal waren – das lernt man, wenn man sein Leben in zwei Koffer packen muss. Ich habe mich daran gewöhnt.

Im Ausland zu leben hat mich ruhiger, friedvoller gemacht und ich vertraue darauf, dass alles klappt.
Ich habe mich entschieden nach Irland zu ziehen und wenn ich heute gefragt werde, warum ich wieder ins Ausland ziehe, sage ich

‚Ich mag es den Unterschied zu leben. Es ist als hätte man ein zweites Leben‘.