Leben in der Schweiz (1/2)

Als ich im November eine Arbeitsstelle in einer Züricher Kita zusagte, machte ich mich an die Recherche über das Leben in der Schweiz. Sammelte links, bekam Tipps von Freunden, die dort wohnten.

Im Endeffekt war es für mich nicht die richtige Entscheidung in die Schweiz zu ziehen(mehr darüber hier)

Dennoch möchte ich euch die Informationen, die ich herausgefunden habe, nicht vorenthalten und an der ein oder anderen Stelle musste ich ganz schön schlucken, weil ich mit einigen (bürokratischen) Schwierigkeiten und Spitzfindigkeiten nicht gerechnet habe. 

Dachte ich immer, die Deutschen seien starr, so habe ich in der Schweiz gelernt: Schlimmer geht immer 😉

 

Überblick und allgemeine Informationen

Auf diesen beiden Websites erhält man einen guten Überblick, wenn man in die Schweiz ziehen möchte:

https://www.ch.ch/de/leben-schweiz-auslander/

https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/themen/fza_schweiz-eu-efta/eu-efta_buerger_schweiz/factsheets.html

 

Transport

Mit Zug, S-Bahn und Bus ist man überall recht schnell. Die Schweiz ist jetzt auch nicht so riesig 😉

Wer jeden Tag mit den Öffentlichen zur Arbeit fährt, für den lohnt sich die Halbtax. Personalausweis bzw. Reisepass bereithalten, denn bei der Online Bestellung, muss die Nummer der ID angegeben werden.

https://www.sbb.ch/de/abos-billette/abonnemente/halbtax.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Halbtax

 

Krankenversicherung

Um sich einen Überblick zu verschaffen, seid ihr mit www.comparis.ch gut beraten. Allerdings könnt ihr erst eine Krankenversicherung abschließen, wenn ihr eine Wohnung mietet.

 

SIM Karte

Während man in Deutschland an der Kasse bei Lidl oder Aldi eine Prepaid SIM Karte kaufen kann (oder in Neuseeland oder Kanada oder Irland in jedem 24 Stunden Kiosk…), ist der Aufwand in der Schweiz ein bisschen höher. Wählt man den Weg „Online Bestellung“, so sind hier ein paar Dinge zu beachten:

Auch hier muss man eine Personalausweis-/ bzw. Passnummer angeben!

Die Bestellung nur persönlich und mit vorzeigen des Ausweises entgegen genommen werden!

 

Das günstigste Angebot habe ich bei Yallo gefunden (ca. 40CHF pro Monat), allerdings ist deren Kundenservice eine Katastrophe! Oh und Vorsicht, die Prepaid-Karten sind NUR in Makro zu haben…

Meine Alternative dazu war Sunrise, die sich aber auch nicht als sehr zuverlässig herausstellten. Die SIM-Karte sollte innerhalb von 2-3 Werktagen geliefert werden, war aber eineinhalb Wochen später immer noch nicht da. Auf Nachfrage wurde mir dann gesagt, dass diese noch nicht losgeschickt wurde…

 

Konto

Die Eröffnung eines Bankkontos in der Schweiz ist nicht bei jeder Bank möglich und hängt von der Aufenthaltsbewilligung ab, die ihr bekommt.

Die Post Finance ist eine der Wenigen, die es ermöglichen, sein Gehalt auch wirklich zu bekommen.

Kosten pro Monat: 25CHF ohne Aufenthaltsbewilligung, 5CHF mit Aufenthaltsbewilligung.

 

Umziehen und Melden

https://www.comparis.ch/umzug-schweiz/migration/anmeldung-umzug-schweiz

Ganz wichtig ist hier zu beachten:

„Nach Ihrer Einreise in die Schweiz haben Sie als EU-Bürger 14 Tage nach Ihrer Ankunft und vor dem ersten Arbeitstag Zeit, sich in Ihrer Wohngemeinde anzumelden und, falls noch nicht vorhanden, eine Aufenthaltsbewilligung zu beantragen.“

 

Bevölkerungsamt in Zürich

https://www.stadt-zuerich.ch/prd/de/index/bevoelkerungsamt/umziehenmelden.html

 

Einwohnerkontrolle in Winterthur

https://stadt.winterthur.ch/gemeinde/verwaltung/sicherheit-und-umwelt/melde-und-zivilstandswesen/einwohnerkontrolle

Eine kleine Anekdote über mein Erlebnis mit der Einwohnerkontrolle Winterthur:

Ich konnte für zwei Wochen bei einer Freundin unterkommen, die den ganzen Dezember nicht da war. Für mich war das  sehr praktisch, weil ich so in Ruhe nach einer Bleibe schauen konnte. Vor ihrer Abreise telefonierten wir und sie bot mir an, einen Untermietvertrag zu erstellen. Meine Antwort? „Quatsch, für zwei Wochen brauche ich das nicht.“

Pustekuchen!

Als ich mich bei der Einwohnerkontrolle erkundigte, ob ich mich auch ohne Mietvertrag anmelden und eine Aufenthaltsbewilligung beantragen könne, stieß ich auf einen sehr engstirnigen Sachbearbeiter. Ich müsse mich innerhalb der ersten 14 Tage melden, sonst falle eine Strafgebühr an! Am besten solle ich sofort bei meiner Freundin ausziehen und für 2-3 Monate in ein Hotel gehen und mir von dem Hotel eine Bescheinigung geben lassen. Äh jaaaa…nein!

 

Arbeitsbedingungen in Kitas

Wöchentliche Arbeitszeit beträgt 42,5 Stunden

Kitas: + 5 Stunden Mittagspause, da Schichten abgedeckt werden müssen

Öffnungszeiten von privaten Kitas in der Regel 7 bis 19 Uhr, Möglichkeit zur Spätbetreuung bis 21Uhr

=> 47,5 Stunden pro Woche auf der Arbeit + Anfahrt und Heimfahrt

 

Betreuungsschlüssel in öffentlichen Kitas: 20-25 Kinder (4-6 Jahre), 1 Kindergartenlehrperson und 1 Praktikantin/ Assistentin (Assistenten müssen übrigens keinen pädagogischen Hintergrund haben, können auch Mütter sein).

 

Anerkennung des Abschlusses (Sozialer/erzieherischer Bereich)

Sozialpädagogen und Erzieher müssen ihren Abschluss vom SBFI (Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation) anerkennen lassen. https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/bildung/diploma/anerkennungsverfahren-bei-niederlassung.html

Die durchschnittliche Bearbeitungszeit dauert zwischen 4 Wochen und 3 Monaten.

Dazu muss das Abschlusszeugnis beglaubigt werden, was man beim Bevölkerungsamt in Zürich und der Einwohnerkontrolle in Winterthur problemlos und ohne Termin machen lassen kann.

Kostenpunkt: 550 CHF plus Kosten für Beglaubigungen von Zeugnissen (https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/bildung/diploma/anerkennungsverfahren-bei-niederlassung/verfahren-beim-sbfi/kosten.html)

 

Quellensteuer

https://www.ch.ch/de/quellensteuer/

„Die Quellensteuer ist eine Steuer, die direkt vom Einkommen abgezogen wird. Quellensteuerpflichtig sind Leute, die:

ihren steuerrechtlichen Wohnsitz in der Schweiz haben, aber die Niederlassungsbewilligung (Ausweis C) noch nicht besitzen

oder

keinen steuerrechtlichen Wohnsitz in der Schweiz für ihre Einkünfte (Grenzgänger, Wochenaufenthalter, Referenten, Sportler, Künstler etc.) haben.

Die Verrechnung wird in der Regel durch den Arbeitgeber vorgenommen.“

 

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