Lebenszeichen

Was war los in meinem Leben in den letzten Monaten?

Nachdem ich mich in Europa nicht so richtig für einen Ort entscheiden konnte, an dem ich länger leben möchte, beschloss ich, es in Kanada noch ein weiteres Mal zu versuchen.

Doch auch diesmal hatte ich kein Glück. Die Regulierungen haben sich seit der Einführung des Express Entry noch einmal verschärft und jeder Arbeitgeber muss nun einen LMIA Prozess  durchlaufen, der mit einem hohen bürokratischem Aufwand und einer Zahlung von 1000€ verbunden ist. Eine Garantie, dass man die LMIA Bestätigung bekommt, gibt es nicht.

 

Also wieder zurück nach Deutschland

– mit dem Vorhaben, komplett freiberuflich zu arbeiten

(was ich eigentlich schon seit Jahren machen wollte).

 

Freiberuflichkeit

Ich begann, intensiv zu recherchieren, holte Angebote von Versicherungen ein, schrieb einen kompletten Businessplan, ging zu einem Infoabend der IHK , besuchte den Steuerberater-Sprechtag  und schrieb potentielle Auftraggeber bezüglich freiberuflicher Aufträge an.

Doch es kristallisierte sich schnell heraus, dass es nicht der richtige Zeitpunkt (aufgrund fehlender finanzieller Mittel und zu kleines Netzwerk) war. Auch die hohen Versicherungskosten von monatlich mindestens 700€ (in den ersten drei Jahren, dann steigen diese um mind. 250€ mehr im Monat und steigen nochmal mit dem Einkommen) schreckten mich wieder einmal ab.

 

Das Gute an der ganzen Sache:

Ich werde euch in den kommenden Wochen/Monaten alle Infos zur Verfügung stellen

und hier auf meinem Blog eine kleine Reihe zum Thema „Freiberufliche Pädagogen“ machen!

 

Also musste ich mir einen Plan B überlegen: Eine Kombination aus Festanstellung und Freiberuflichkeit.

 

Jobsuche

Meine Ansprüche waren also nicht gerade niedrig und schränkten das Arbeitsfeld sehr ein: Teilzeit (20 bis max. 30 Stunden pro Woche), 1 Tag pro Woche frei, Ferien frei (um Camps, Ferienfreizeiten und Freiwilligenarbeit machen zu können).

Dementsprechend schwierig gestaltete sich die Jobsuche. Mein Bewerbungsmarathon endete in unzähligen Bewerbungen, 2500km Fahrerei in zweieinhalb Monaten und Nerven, die blank liegen. Zu Letzterem trug insbesondere wieder eine Institution bei, die meine Wut auf das deutsche Sozialsystem ins Unermessliche trieben: Die Agentur für Arbeit.

 

Wenn man in Deutschland arbeitssuchend und nicht reich ist, kommt man daran nicht vorbei. Und wer schon einmal mit der AA zu tun hatte, weiß um die erniedrigende und bevormundende Art, mit der man dort behandelt wird (mehr dazu in meinem letzten post hier: “Bitte geben Sie Ihre Würde hier ab”)

 

Ich durfte mir anhören, dass es nicht darum gehe, was und wo ich arbeiten möchte, sondern es gehe lediglich um die Notwendigkeit, die besteht. Auch sei es nicht das Ziel, dass ich eine selbständige Arbeit aufnehme, denn „dann fließt ja kein Geld mehr in unsere Versicherungsleistungen“.

 

Doch der eigentliche Höhepunkt war die Anweisung, die Stadt nicht länger als 24 Stunden verlassen zu dürfen!

Was für eine bescheuerte Regel. Schon mal morgens um 4 oder 5 aus dem Haus, 4 Stunden Auto gefahren, um dann eine tolle Leistung beim eineinhalbstündigen Vorstellungsgespräch zu bringen, sich dann wieder ins Auto gesetzt und 4 Stunden zurückgefahren? Was ist mit den Stellen, die 6 oder 7 Stunden entfernt sind?

 

Neue Ideen sammeln

Neben der Jobsuche und dem Aufbau einer nebenberuflichen Freiberuflichkeit, habe ich mich auch über Möglichkeiten erkundigt, ortsunabhängig arbeiten zu können.
Eine ungefähre Richtung und Idee habe ich, aber dazu muss ich mich erst noch mehr einarbeiten, um zu schauen, ob das auch wirklich was für mich ist.

Wenn schon nicht Kanada, dann wenigstens die Möglichkeit,

einen flexiblen Lebensstil zu führen und nicht immer am gleichen Ort sein zu müssen 😉

 

Gedankenkarussell

Natürlich gingen die letzten Monate nicht spurlos an mir vorbei. Eigentlich freiberuflich arbeiten zu wollen, es sich aber (noch) nicht leisten können, frustriert immens. Sich auf den Kompromiss einlassen, in Teilzeit festangestellt zu arbeiten und dann keine Stelle zu finden, die sich auf eine 4-Tage-Woche einlassen wollen, frustriert noch mehr.

 

Immer wieder war ich in dem Zwiespalt zwischen

„soll ich aufgeben, mich einfach anpassen und NUR festangestellt arbeiten?“

und

„ich will nicht aufgeben!“.

 

Das Gedankenkarussell drehte sich unaufhörlich, schneller und schneller und ließ mich kaum zur Ruhe kommen. Selbstzweifel tauchten auf, „bin ich vielleicht zu naiv oder idealistisch, weil ich meine Träume verwirklichen will?“

Dann zweifelte ich daran, ob es wirklich mein Traum ist, als freiberufliche Pädagogin zu arbeiten. Was wiederum dazu führte, dass ich darüber nachdachte, dem pädagogischen Bereich komplett den Rücken zuzukehren.

 

In der falschen Stadt festzuhängen kam natürlich auch noch dazu. Nichts gegen einen Besuch im schönen Trier. Die Stadt ist voll von historischen, römischen Sehenswürdigkeiten, die es lohnt anzuschauen! Aber drei Monate dort festzusitzen war nicht schön.

 

Also zog ich mich zurück, um meine schlechte Laune nicht zu sehr an anderen heraus zu lassen,

und vertrieb mir die Zeit mit meinem besten Freund „Tinnitus“,

der mich lauthals den ganzen Tag zupiepste.

 

Zeit für’s Schreiben? Pustekuchen!

Ich hatte leider weder Zeit noch Nerven neue Blog-Artikel oder an meinem Buch weiter zu schreiben. Daher habe ich mich darauf konzentriert, vermehrt Artikel zu Themen wie Erziehung, Bildung, Umweltschutz auf meiner Facebook-Seite zu posten. Seid ihr auf Facebook? Schaut mal hier  vorbei, würde mich freuen!

Und um euch einen kleinen Eindruck davon zu geben, was ich dort teile, hier meine Top 5:

  1.  Here’s what’s wrong with the Western education system
  2.  Do schools kill creativity?
  3.  Wie Offenheit unsere Wahrnehmung verändert
  4. 7 ways to “End Plastic Pollution” starting at home this Earth Day. Easy ways to work this year’s theme into how and where you live
  5. How trees talk to each other

 

Auszeit

Letztendlich habe ich einen Teilzeit-Job in Stuttgart gefunden, neben dem ich freiberuflich arbeiten kann. Aber bevor ich etwas Neues anfange, musste ich aus der Stadt raus, entspannen und Energietanken.

Also bin ich nach Den Haag gefahren (ich liebe es!!) und habe endlich wieder geschrieben 🙂

Es tut gut, wieder hier zu sein und meine Gedanken und Erfahrungen mit euch zu teilen!