Patrick (2/2): Über meat pies und sausage rolls, Ehrfurcht und die Angst vor dem Tod

“Ich zog vor 7,5 Jahre nach Deutschland”

Der einzige Grund, warum ich hierhergekommen bin ist, weil ich meine deutsche Frau kennen lernte. Nachdem sie ihr Erasmus-Jahr in Paris beendet hatte, musste sie wieder nach Deutschland ziehen, und ich wollte keine Fernbeziehung haben, also sagte ich: “Ok, ich werde mit dir kommen”.

Außerdem wollte ich endlich ein anderes Land sehen und erleben. Ich habe jetzt ein deutsches Visum, weil ich verheiratet bin; ich habe eine Arbeit und wäre in der Lage, mich zu finanzieren, weil ich hier so lange lebe. Es macht das Reisen auf jeden Fall einfacher. Ich muss mir darüber keine Sorgen mehr machen. 

Ich genieße es in Kiel zu leben. Aber natürlich ist es ganz anders als Paris. Kiel ist völlig entspannt. Irgendwann möchte ich mit dem Windsurfen anfangen, weil ich das Surfen liebe. 

Ich mag Kiel für das, was es ist.

Der Ort, aus dem ich in Australien komme, ist eine Küstenstadt, von Buschland umgeben, sehr grün. Man hat die Küste, man kann Buschwanderungen machen und all das Zeug.

Es ist ein freundlicher und ungezwungener Ort zu leben, wirklich überhaupt keinen Druck. Ich vermisse auf jeden Fall das Wetter da, die heißen Sommer… Man, wie ich es vermisse. 

Im Vergleich zu Kiel: Ich denke, hier gibt es irgendwie auch einen entspannten Lebensstil, es ist sehr ähnlich. Auch das Surfen und das Kitesurfen, das ist sehr beliebt hier. 

Kiel fühlt sich ein bisschen so an wie nach Hause ziehen. Wetterweise nicht so sehr. Das Wetter mag ich hier nicht so. Das Wetter ist so unberechenbar. Ich mag es zu planen, wenn ich surfen gehe und hier kann man nicht planen. 

 

Die Unterschiede zwischen den Welten: “Meat pies und sausage rolls in Deutschland – es ist einfach nicht das Gleiche!”

Eine Sache, die mir von Australien fehlt, sind die meat pies und sausage rolls. Ich meine, man kann es hier in der Stadt in einem Englisch-Shop kaufen, aber es ist ausgetrocknet und es ist einfach nicht das gleiche.

Ich würde wirklich gerne den Deutschen australische Lebensmittel vorstellen. Ich plane, eines Tages, mein eigenes Café / Bar aufzumachen, und wenn ich das tue, möchte ich vor allem meat pies und sausage rolls anbieten. 

Nichts schlägt eine gute meat pie und ein Bier. Es ist einfach die perfekte Kombination. 

Hier (in Kiel) gibt es auch eine gute Grillkultur.

In Australien haben wir diese riesige Grillkultur, die ich vermisse. Hier kann man im Park grillen, aber man muss den eigenen Grill mitbringen. In Australien gibt es im Grunde überall öffentliche Grills und man kann sie  für eine Gebühr von AUS$1 oder AUS$2 für eine Stunde nutzen, sie sind immer gut gepflegt, sauber und man muss sich nie darüber Sorgen machen. 

Ich vermisse das Surfen viel.

Dort, wo ich in Australien lebte, war der Strand nie weit weg, ich konnte dorthin zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren und ich war fast jedes Wochenende oder nach der Schule da. Hin und wieder lieh ich mir das Surfbrett meines Freundes, und wir haben dann einfach am Strand abgehangen. Ich vermisse das auf jeden Fall – und die Strandpartys. 

 

Ein Moment der Ehrfurcht: “Als der Schneesturm mich traf war ich so aufgeregt. Mein erster richtiger Schneesturm!” 

Dort wo ich in Australien lebte, gab es selten oder gar keinen Schnee. Wir haben dieses Schnee-Resort, das ist eine 10-stündige Fahrt bis dahin, aber ich habe nie wirklich Naturschnee erlebt. 

Das erste Mal, dass ich wirklich jemals Schnee sah, war als ich in Südfrankreich lebte. Es war April und ich bin zum Wandern gegangen, es war ein sonniger, warmer Tag.  Ich konnte in der Ferne Wolken sehen und ich dachte “ok, diese Wolken sind eher dunkel, ich gehe besser nach Hause bevor mich das trifft”. 

Die Wolken bewegten sich schneller als ich es vorhersagte und ganz plötzlich wie aus dem Nichts wurde es dunkel: Ein Schneesturm! Einige Stunden zuvor es war sonnig und warm, ein schöner Sommertag.  

Und dann ein Schneesturm und ich dachte: “Wow, cool, ich liebe das!”  

Ich habe nicht einmal die richtige Kleidung getragen, ich trug Sommerkleidung, Shorts, T-Shirts und dann dieser Schneesturm!

Ich musste schnell nach Hause, weil ich mir den Arsch abgefroren habe. Als ich wieder zu Hause war, ging ich nach drinnen, habe mich umgezogen und ging wieder nach draußen und habe den Schnee genossen. 

Als mich der Schneesturm traf, war ich so aufgeregt! Mein erster richtiger Schneesturm!Das war mein erster wirklich aufregender Tag in Europa. So cool!

 

“Free -Climbing machte mir klar, ich habe keine Angst vor dem Tod”

Als ich in Australien lebte, war ich nicht der beste Schüler, weil ich nicht ums Lernen kümmerte. Ich saß in der Highschool und dachte nur “Ich will raus, ich hasse es hier zu sitzen und scheiße zu lernen.”  

Ich wollte nach draußen gehen und die Welt erkunden und sehen.

Das ist irgendwie der Grund, warum ich Australien verließ. Als ich 17 war, wollte ich einfach nur nach Europa.  Das ist, was ich tun wollte: Reisen und neue Sachen erleben.

(Südfrankreich) war spiritueller und dort habe ich viel über das Leben nachgedacht und was würde ich tun würde.  Ein bisschen „Seele suchen“. Das habe ich oft gemacht während ich free-climbing, rafting war oder ich ging stundenlang in den Bergen wandern.

Diese Orte waren so ruhig, kein Lärm, keine Menschen, keine Autos.

Dort gabe es eine leichte Brise, der Wind, die Bäume und gelegentlich habe ich einen Fuchs, ein Wildschwein oder ein Kaninchen gesehen. Es war so schön und ich genoss einfach die Ruhe und Stille.

Photo by Patrick_Perpignan

 

Ich denke, es hat mich zu dem gemacht, der ich jetzt bin. Entspannter, offener, akzeptierend. Mich als Person zu akzeptieren. Ich stresse mich überhaupt nicht mehr.

Ich akzeptiere, dass Mist passiert. Dinge können schief gehen oder es gibt Leute, die mich hassen, oder so ähnlich. Shit happens. Ich akzeptiere das. Ich bin einfach nur entspannt. Ich bin nie wütend, ich hasse nie wirklich Leute.

Nichts macht mir wirklich viel Angst. Es hilft beim free-climbing. Es hilft mir beim Urteilen. Jede falsche Bewegung könnte den Tod oder eine böse Verletzung bedeuten.  Der Tod ist eine Tatsache des Lebens, mit der ich jetzt im Frieden bin.

Du wirst eines Tages sterben, wie auch immer, es wird passieren, man kann es nicht vermeiden. Ich denke, dass mein Lebensstil mir klargemacht hat, dass ich keine Angst vor dem Tod habe.

 

Ich habe die Angst hinter mir gelassen an den Ufern meiner fernen Heimat.