Sandra (2/3)

„Überall werden Hände gebraucht und man lernt immer mehr Leute kennen“

Bei uns zu Hause war das Thema so präsent, ich habe eigentlich an gar nichts anderes mehr gedacht. Tag, Nacht, Tag, Nacht. Wenn in der AfA irgendwas war, ich wusste, was da los war. Es gab eine jam session (Video dazu gibt’s hier), da hat ein Tätowierer einfach nur ein Schlagzeug hingestellt und wollte für die Leute Musik machen.

Das Schlagzeug wurde von den Kindern geentert, die teilweise richtig professionell Schlagzeug spielen konnten. Das war eine richtig gute session, wo alle geklatscht und getanzt haben.

Und da war das Eis natürlich gebrochen.

Überall werden Hände gebraucht, man lernt immer mehr Leute kennen.

Zum Beispiel auf einer Demo: Da hatte die NPD vor der Jägerkaserne, wo grade Flüchtlinge eingezogen waren, eine Kundgebung. Da kamen natürlich auch alle hin. Ich war vorher noch nie auf einer politischen Demonstration. Und dabei ging es für mich weniger um „NPD ist scheiße“, also das ist ja gar kein Thema, es ging also weniger darum mich als Linker hinzustellen.

Mir ging es um Schutz, damit die Flüchtlinge, die da wohnen, keine Angst haben wenn da irgendwelche Vollidioten mit Fackeln stehen.

Auf dieser Demo hatte ich mich mit jemandem unterhalten, der auch bei REFUGIUM TRIER  hilft, und ihm hatte ich erzählt, dass mein Freund Stephan und ich so einen Weihnachtswunsch haben. Wir wollten dieses Jahr anders feiern als bisher. Ohne Braten oder so einen Kram, sondern wir wollten irgendwo helfen.

Wir wollten erst nach Lesbos und da helfen. Ich hatte eine Reportage gesehen über Bita Kermani, einer Ärztin aus Köln, die auf Lesbos war (Mehr Informationen hier auf Spiegel). Seitdem hilft sie den Flüchtlingen sie aus den Booten zu holen, sie trocken zu rubbeln, Butterbrote zu schmieren und sowas. Die brauchen da helfende Hände.

Wir haben uns das angeguckt und das Problem im Winter ist, dass der Flughafen auf Lesbos ist ganz klein und die Anreise ist im Winter sehr sehr teuer. Man hätte so viel Geld verbrannt womit man hätte helfen können, da haben wir gesagt „Dafür sind wir zu weit weg. Wir lassen das lieber Leute machen, die näher ran sind, die nicht so viel Geld verbrennen müssen.“

So sind wir auf Calais gekommen. An Weihnachten wollten wir nach Calais zum „Jungle“ fahren.

Dann haben wir überlegt, wie wir mehr Freiwillige werden und an Spenden ran kommen können. Da habe ich eine facebook Gruppe gegründet: TRIER OHNE GRENZEN