Schiefgelaufene Einwanderung (1/3)

Vor einiger Zeit habe ich bereits über meine Einwanderungsgeschichte geschrieben und wie ich versucht habe nach Kanada einzuwandern. Dabei ging es mehr um die emotionale Seite des Prozesses und ich dachte mir, es interessiert den ein oder anderen vielleicht der technische Teil des Prozesses. Also, los geht’s:

Informationen sammeln – gar nicht mal so einfach!

August/September 2014

Die Homepage des CIC (Citizenship and Immigration Canada) (http://www.cic.gc.ca/) ist die schlimmste website, die ich jemals gesehen habe!

Wenn du nach Informationen suchst, musst du dich durch einen Fragekatalog klicken, du kannst das CIC nicht direct via email kontaktieren und eine Frage stellen.

Dann kannst du natürlich wählen, ob du alles allein machst oder ob du einen Einwanderungsanwalt/ Einwanderungsberater beauftragst.

Ich dachte, ich kann es selbst zu machen und die Informationen nachgucken, die ich brauchte. Es war eine Menge Arbeit! Ich erreichte einen Punkt, wo ich nicht mehr sicher war, ob ich die richtigen Informationen bekommen oder ob mir was entgangen war, also machte ich einen Termin mit einer Einwanderungsberaterin.

Einen Einwanderungsanwalt oder Einwanderungsberater zu beauftragen ist nicht billig. Es kostet zwischen 180$ und 300$ pro Stunde. Ich hatte das Glück, die Kontaktdaten einer Einwanderungsberaterin zu bekommen, die nur 180$ kostete und die erste Beratung war sogar kostenlos (Gaby Bleckmann: https://www.linkedin.com/in/gaby-bleckmann-70921028)

Wir trafen uns und obwohl ich schon eine Menge Informationen hatte war sie in der Lage mir noch ein paar mehr Infos zu geben. Sie sagte mir auch, dass ich bald mit dem Einwanderungsprozess anfangen sollte, da die Bearbeitungszeit  für das BC PNP (Provincial Nominee Program, https://www.welcomebc.ca/Immigrate-to-B-C/B-C-Provincial-Nominee-Program) stetig am Steigen war aufgrund von so vielen Anträgen.

Ich begann alle erforderlichen Dokumente zusammenzutragen, musste noch einige Übersetzungen machen lassen und nach ein paar stressigen 3 Wochen konnte ich im September 2014 meine Bewerbung einreichen. 

November 2014

Meine Arbeitserlaubnis würde Ende Januar 2015 auslaufen und als ich die Bearbeitungszeiten für eine neue Arbeitserlaubnis prüfte, sagte die website “3 Monate”. Um eine neue Arbeitserlaubnis zu bekommen, benötigte ich die BC PNP Nominierung, also sendete ich ihnen eine E-Mail und fragte, ob sie meinen Nominierungsprozess beschleunigen könnten.

Ihre Antwort war: NEIN. 

Auch mein Arbeitgeber schickte dem BC PNP einen Brief und bat um eine Beschleunigung meines Antrags. Sie äußerte ihre Bedenken, dass ich nicht eine neue Arbeitserlaubnis bekommen würde, bevor meine aktuelle Arbeitserlaubnis ablaufe. Sie wies darauf hin, dass sie mich wirklich in der Kita brauchte:

“Es gibt keine andere qualifizierte Person, die mit dem kleinen Jungen mit Autismus arbeiten kann, die Familie des Jungen muss eventuell eine alternative Pflege für ihn finden.”

Das hätte eventuell zur Folge gehabt, dass seine Mutter ihren Job hätte kündigen müssen…

Ihre Antwort: NEIN. 

Meine Gedanken dazu: Wow, ein bürokratischer Prozess ist wichtiger als das Wohlergehen und die finanzielle Situation einer kanadischen Familie!

Januar 2015

Die Zeit wurde knapp und Mitte Januar versuchten nicht nur ich und mein Arbeitgeber mehr Informationen darüber zu erhalten, was zu tun ist.

Eine weitere Institution, die mit meine Arbeit involviert war, sendete ebenfalls einen Unterstützungsbrief an das BC PNP:

“Kirstin ist ein geschätztes Mitglied des Teams. Sie unterstützt ein Kind mit Autismus in einer multisensorischen Weise in der Kindertagesstätte  und fördert seine vorsprachliche Kommunikation und reduziert die Angst des Kindes signifikant.”

Und dann haben auch die Eltern des Jungen einen Brief an das BC PNP gesendet:

“Wir haben eine deutliche Verbesserung der Fähigkeiten und der Entwicklung unseres Sohnes mit Kirstins Betreuung und Ausbildung gesehen, und als Eltern sind wir sehr besorgt über jeden potenziellen Bruch in Kirstins Fähigkeit mit XY weiter zu arbeiten. Aufgrund des Zustands unseres Sohnes und seinem Bedürfnis nach Routine, würde jede Änderung seinen derzeitigen Fortschritt anhalten nun wo er sich an Änderungen beginnt zu gewöhnen.“

Das Ergebnis : Nichts.

Meine Gedanken dazu: Ernsthaft, Kanada? Hier geht es um einen Jungen mit besonderen Bedürfnissen, der die richtige Betreuung und Training bekommt und immer noch interessiert euch nur der bürokratische Prozess??

Also versuchte ich weiterhin das CIC anzurufen(das ist so, als würde man den Mann auf dem Mond versuchen anzurufen…keine Chance, dass er den Hörer abhebt und stattdessen hört man die ganze Zeit lustige Musik) und schließlich erreichten die Eltern des Jungen jemanden und bekamen die Information, wie weiter arbeiten kann unter dem „implied status“.

Implied status? Was ist das?

Man muss eine neue Arbeitserlaubnis beantragen bevor die aktuelle abläuft

Im Warteprozess ist es nicht erlaubt, das Land zu verlassen, andernfalls verliert man diesen Status

Man kann weiter arbeiten bis das CIC eine Ablehnung oder eine Genehmigung sendet Man hat kein offizielles Dokument, das sagt, dass man berechtigt sind, im Land zu bleiben

Die BC Krankenversicherung läuft mit der Arbeitserlaubnis aus, so dass man andere Optionen finden muss, um versichert zu sein (, die bereits in Kanada sind, bietet sich Folgendes an: http://localagent.cooperators.ca/Insurance-in-Vancouver/British-Columbia ) oder man hat einfach keine Krankenversicherung bis man eine neue Arbeitserlaubnis erhält

Natürlich ist die Odyssee hier noch nicht zu Ende…Teil 2 und 3 folgen bald!