Tom (1/3)

„Manchmal passieren Dinge einfach zur richtigen Zeit“

Manchmal ist es eine Entwicklung über einen langen Zeitraum. Niemand wandert ohne Grund aus. Und wo ich heute bin erwuchs daraus wer ich einst war. Ein sehr netter Mensch, zurückhaltend, hilfsbereit, … alles Eigenschaften die einem das Leben auch schwer machen können wenn man von Menschen umgeben ist die anders denken.

In meinem Leben gab es ein Ereignis das wie eine Initialzündung war auszuwandern, aber das ist traurig und schmerzvoll, so dass ich es hier nicht teilen kann. Und bis es so weit war folgten noch viele weitere kleine Dinge. Und irgendwann kam genug zusammen. Vor allem die Unzufriedenheit über das eigene Ich – und die Unfähigkeit es zu ändern.

Nun ist es sehr einfach sich woanders in Europa niederzulassen, zumindest theoretisch. Aber das war mir nicht weit genug. Denn es ist ein riesen Schritt egal wohin man geht, aber wenn man dann doch nahe am alten Leben ist entstehen viele Forderungen: Zu Weihnachten nach Hause zu kommen, zu Geburtstagen, im Urlaub, das gemeinsame aber getrennt lebende Kind zu sich zu nehmen, regelmäßige Telefonate mit der Familie, denn es liegen nur ein oder zwei Zeitzonen zwischen einem…

Ich war 32 Jahre alt als ich den endgültigen Entschluss fasste nach Kanada zu gehen.

Warum war das Weggehen so schwer, wo doch das Ankommen so einfach ist‘, leuchtete es mir wenige Tage nach meiner Ankunft ein. Ich wusste nicht viel über Kanada, aber das ist nicht so schlimm, denn man lernt auch prima unterwegs. Eine meiner ersten Begegnungen war das Geschwisterpaar Victoria und Sebastian aus Argentinien. Warum ich das erwähne erkläre ich später.

Ein Blick auf die Landkarte verriet mir: Es geht noch ganz schön weit nach Norden. War da nicht was mit Nordlichtern? Idealerweise nach Alaska, aber der Greyhound fährt nur nach Whitehorse, Yukon. Also entschied ich den Bus nach Whitehorse zu nehmen.

Nach zwei Tagen und zwei Nächten Fahrt weckte dann der Busfahrer gegen drei Uhr morgens die ungewaschenen Fahrgäste – wir waren gleich da. Bevor ich in den Yukon kam, dachte ich ‚ich bleibe nur drei Tage. Danach fahre ich zurück, denn ich will nach Manitoba reisen um einzuwandern‘. Aber dann hatte ich diesen Gedanken ‚Einwandern kannst du doch auch hier, im Yukon‘.

Und so verfiel das Ticket für die Rückfahrt. Ein Job, eine kanadische Freundin, die berauschende Natur und die beinahe noch lebendige Geschichte des Goldrausches im Yukon. Ein stetes Aufwärts.

Im Herbst dann ein neuer Job, der keinen Spaß machte, die Beziehung die zerbrach, die Natur die plötzlich öde ist, und die lebendige Geschichte schläft ein wenn keine Touristen da sind. Und so machte ich mich nach einem Dreivierteljahr wieder auf nach Vancouver (diesmal mit dem Flugzeug) um dort mein Glück und die Einwanderung zu versuchen.

Dort angekommen fühlte ich mich auf einmal schlapp und lustlos. Deprimiert saß ich im Hostel. ‚Mir geht es nur so schlecht wegen Schlafmangels. In Whitehorse arbeitete ich zuletzt Nachtschicht‘. Aber als das auskuriert war ging es mir noch immer schlecht. ‚Das liegt am Schnupfen den ich jetzt habe‘.

Aber als der weg war ging es mir noch immer schlecht. Genau da lernte ich Kiki kennen. Und ich unterhielt mich mit ihr, Ich erzählte ihr meine Geschichte, und ich erzählte sie anderen. Alle waren daran interessiert zu hören wie es im fernen Yukon so ist. Und ich erzählte wie verrückt vom Yukon, ich strahlte und begeisterte andere. Nach diesen Hochs war ich aber wieder betrübt. Als mir das bewusst wurde wusste ich was ich zu tun hatte: Zurück in den Yukon.

Und von da an war ich glücklich.

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